apenrades Steckdose

Wrack am Ufer der Dybvig in der Genner Bucht- 2019
Wrack am Ufer der Dybvig in der Genner Bucht- 2019

Mittwoch 17. Juli und Donnerstag 18. Juli 2019

 

In aller Herrgottsfrühe „schlichen“ sich Schultz und Schulz davon. Axel meinte im Schlaf das unverkennbare Tock- Tock des MD 7a von Greif IV an unserem Heck gehört gehört zu haben, weil Lothar sich noch verabschieden wollte. Später kam eine Mail von Jette, man sei in Apenrade. Dort waren wir auch noch nie. Irgendetwas muss doch an Apenrade dran sein, dass es Familie Schul(t)z immer wieder dorthin zieht. Das wollten wir heute in Erfahrung bringen. Im Alsenfjord entwickelte sich ein laues Lüftchen aus vornehmlich westlichen Richtungen. Unser kontemplatives Kreuzen begann. Anfangs noch ein wenig verhalten, bewegte sich Windspiel mit 3,5 Knoten bei 2,5 m/s Wind fort. Die Sonne schien und bei gut 3 m/s Wind knackte Windspiel dauerhaft die 5 kn Marke. Die Leichtigkeit, mit der Windspiel dahinzog, löste augenblicklich kontemplative Freude beim Segeln aus. In der Ferne kreuzte, wie sich später herausstellte, eine Rassy 35. Die holten wir recht zügig ein, um kurz vor der Hafeneinfahrt von Apenrade zeitgleich die Segel zu bergen und gen Hafen zu motoren. Der Däne voraus, folgten wir im Kielwasser. Weil wir davon ausgingen, dass er die Abkürzung über die Untiefe kennt. So war es auch. Ein kleiner Schreck noch, als er vor der Hafeneinfahrt hart nach Backbord abbog. Er wollte aber nur mit einem auslaufenden Kumpel schnacken.

Im Hafen stand die Luft, und ein semigeglücktes Anlegemanöver brachte uns schlussendlich zu Fuß in die City von Apenrade, um zu eruieren, was an Apenrade so anziehend ist. Wir fanden die von dänischen Städten allseits bekannte und verkehrsberuhigte Einkaufsstraße. Alle einschlägigen Läden reihten sich aneinander: Imerco, Kop&Kande, Inspiration, Wagner, Toj Experten, Intersport, Fætter BR und weitere. Abgewechselt von Döner- und Falafelbuden, kleinen Damenmodegeschäften, Friseuren, einem exquisiten Wein-und Teehandel, einer Apotheke und mehreren Optikern. Wir kehrten unweit des Rathauses in das sonnenschirmbeschirmte Café Butler ein. Diese Lokale machen für uns einen großen Teils des Charmes dänischer Lebensqualität aus. Man sitzt zwanglos im Freien, sucht sich eine leckere Kleinigkeit aus der Snackkarte und bestellt dazu ein Øl oder ein Glas Vin. Det er dejlig.

Am Abend wollten wir endlich von Schulz und Schultz erfahren, was sie an Apenrade so lieben. Nicht ohne vorher am gemeinsamen Pfannkuchenessen teilnehmen zu dürfen. Der Abend verlief mit vielen Geschichten aus Bärbchens Leben, von zum Beispiel zwei auf unterschiedlichen Wegen „zugelaufenen“ Kindern.

Des Rätsels Lösung, warum man so gerne nach Apenrade fährt, ist die Außensteckdose am Hafenrestaurant. Wer Kurt Schultz´ Familie kennt, weiß, dass sie durch einen starken Familienzusammenhalt geprägt ist. Obendrein sind fast alle auch Segler geworden und die Sorge aller Schul(t)zen um die Jüngsten steht an erster Stelle. Also ist es nur logisch, auch gemeinsam mit Booten auf Reisen zu gehen. Da kommt gut und gerne eine Fußballmannschaft nebst Ersatzspielern zusammen. Die wiederum müssen mit Nahrung versorgt werden. Am besten alle zusammen. Und wie? fragt Ihr Euch. Mit einer Steckdose im Freien, an die eine Induktionsplatte angeschlossen wird. Die hafeneigenen Partytische werden zusammengeschoben, Jette rührt eine Waschschüssel voll Pfannkuchenteig an und am Ende sind alle satt und glücklich. Der Großabwasch wird gleich um die Ecke in der Küche des Vereinshauses erledigt.

Ach ja, ich vergaß. Natürlich sind auch alle namhaften Schiffsausrüster, wie Fakta, Aldi und Lidl, ebenso eine Eisdiele und eine Tankstelle mit Morgenbrød fußläufig erreichbar 😉.

 

Am Donnerstag kreuzten wir, anfangs mit Flaute, und später mit der Vorhersage diametral entgegengesetzten Windes in die Genner Bucht. Jetzt liegen wir in der Ausbuchtung namens Dybvig wieder vor Anker. Zwei Trottellummen erspähten wir im Apenrade Fjord und hier bewachen ein Habicht und ein Bussard die Ankerbucht. Zum Vergleich ein Foto des Wracks am Ufer aus 2010. 

Nordborg- alle in Ferien?

Buchenallee im Park von Schloss Nordborg
Buchenallee im Park von Schloss Nordborg

Montag, 15. Juli 2019 und Dienstag, 16. Juli 2019

 

Gut geschützt und ruhig verbrachten wir die Nacht von Sonntag auf Montag vor Anker, trotz Wind. Gut gefrühstückt ging es um kurz nach halb elf ankerauf, wir motorten das kurze Stück in die Dyvig Badelaug und fanden einen schönen Liegeplatz mit dem Bug zum Wind. Der Tag blieb grau und kühl, wie schon der vorherige. Erst zum Nachmittag klarte es auf, aber erst zum Abend ließ sich die Sonne blicken. Schultz und Schulz hatten wie geplant ihre Flohmarkttour nach Nordborg unternommen. Am nächsten Morgen setzten wir unsere Reise nicht fort, wir bleiben noch einenTag. Der graue Morgen wich bald einem sonnigen Vormittag. Wir schnallten uns unsere Rucksäcke um und bestiegen, zufällig gemeinsam mit Jette und Bärbchen, den Bus 709 nach Nordborg. Dort waren wir noch nie – und wie auf Ærø ist auch auf Alsen die Bustour kostenlos. In Nordborg trennten wir uns von Jette und Bärbchen und bogen ab in die Einkaufsstraße von Nordborg. Von Einkaufsgetümmel konnte keine Rede sein. Kaum Menschen unterwegs um 11 Uhr vormittags. Viele Geschäfte geschlossen oder gar nicht mehr betrieben. Bevor Enttäuschung um sich griff erblickten wir das Schloss, umgeben von Wasser und einem schönen Park. Hinter dem Schlosshof erstreckt sich eine weite Rasenfläche, geteilt durch eine Buchenallee mit altem Baumbestand. An deren Ende der Schlossteich und viele alte Bäume mit dicken Ästen, die  sich erstaunlich tief zum Wasser neigten. Auch bei einigen Bäume wuchsen die Stämme auf halber Höhe gen Schlossteich. Der Schwerpunkt der heutigen Bilder ist der Schlosspark.

In der anderen Richtung der Storegade befindet sich ein alter Wasserturm und nicht weit davon eine schöne weiße Kirche. Eine Besichtigung derselben konnten wir leider nicht vornehmen, da gerade ein Beerdigungs-Gottesdienst stattfand. Im „Zentrum“ stillten wir unseren Durst im Restaurant „Friends“. Axel bestellte sich ein „Jacobsen“-Bier. Die Frage, ob dies ein helles Bier sei, wurde bejaht. Kredenzt wurde eine Art Guinness, leider, sodass ich helfen musste, es auszutrinken. Den eigentlichen Durst stillte das Eiswasser mit Zitrone.

Unsere Bord-Vorräte mussten aufgestockt werden. Da traf es sich gut, dass direkt neben der Busstation ein Kvickly uns mit allem Notwendigen versorgte.

Zum Abendessen hatte Axel die Idee, unsere Lammkoteletts auf dem großen Gemeinschaftsgrill zuzubereiten. Spart Einsatz von Pfanne und den Abwasch derselben. Auf diese Weise lernten wir ein sehr nettes dänisches Ehepaar kennen, das uns gleich in dem gut belegten Zelt an ihren Tisch winkte und uns nach unserem Lammkotelett mit Taboulé-Salat und gegrillten Tomaten mit Schafskäse zum Nachtisch mit zuckersüßen Erdbeeren versorgte. Erstaunlich zu beobachten, dass sich im Zelt und diesem Grill außer uns nur Dänen aufhielten, die Deutschen belegten einen anderen Grill auf einer mit Tischen und Bänken ausgestatteten Plattform am Wasser. 

Wir verbrachten jedenfalls einen ausgesprochen kurzweiligen und angenehmen Abend in sehr netter Gesellschaft.

Sportlich in die Dyvig

Viel zu viele Masten, um nach einem Liegeplatz zu suchen
Viel zu viele Masten, um nach einem Liegeplatz zu suchen

Sonntag, 14. Juli 2019 und Montag, 15. Juli 2019

 

Der Wind soll erst gegen Mittag auf West drehen. Frühes Ablegen hätte keinen Sinn gemacht. So kamen wir sogar am Sonntag zu warmer Leberpastete zum Frühstück.

Es war mal wieder grau. Kurz nach der Hafenausfahrt setzten wir die Segel und mit einem Holeschlag segelten wir hoch am Wind Richtung Flensburger Förde. Wendeten, nachdem wir Sonderborg anliegen konnten. Mit einem leichten Schrick in den Schoten brauste Windspiel dahin, dass es eine Freude war. Das Nadelöhr in Sonderborg ist die Kong Christians X. Bro. Wann macht die eigentlich auf? Uns kamen jedenfalls jede Menge Segler entgegen. Fock weggenommen und mit dem Groß in den Stadthafen zur Brücke gesegelt. 14:38 Uhr, eine gute halbe Stunde bis zur nächsten Öffnung. So segelten wir sinnig mit dem Groß auf und ab, um die Brücke pünktlich mit Maschinenhilfe zu passieren. Warum ein Entgegenkommer der Meinung war, dass er schnell noch als Dritter neben zwei anderen Schiffen die Brücke passieren muss? Man muss es nicht verstehen, aber es treibt einem schon die Schweißperlen auf die Stirn, vor allem, wenn das Großsegel noch oben ist.

Kurz hinter der Brücke rollten wir wieder die Fock aus, Maschine aus und dem Motto folgend: zwei Schiffe bilden eine Regatta.

„Rubber Duck“ eine X 332 aus dem SCOe folgte uns im Kielwasser. Das kann doch nicht sein! Also ging das Zuppeln an den Schoten los. Sie war nicht abzuschütteln, und kurz vor Ende des Alsenfjordes überholten sie uns in Lee. Was für eine Schmach. Chrissie war der Meinung, wir hätten die Segel die ganze Zeit über immer zu dicht gefahren. Ich hatte den Eindruck, dass schnelles Fieren und Dichtholen der Fock uns langsamer werden ließ. Werden wir mal einen Experten befragen.

Im freien Wasser des Alsenfjordes ging das Regattieren weiter. Obwohl wir uns in Luv von „Rubber Duck“ wieder herangearbeitet hatten, konnten wir deren Höhe nicht ganz halten. Ihnen kurz zugerufen, dass es Arbeit mache, zu regattieren, wurde lachend beantwortet mit, das Kurbeln würde aber die Muskeln kräftigen und einen warm halten. Also Abfallen, hinten herum und einen eigenen Rhythmus finden. Das gelang aufs Beste. Nach dem ersten Kreuzschlag lagen wir schon zwanzig Meter vor ihnen. Die Ecke bei Hardeshøj konnten wir anliegen und „Windspiel“ rannte hoch am Wind dahin, dass es eine Freude war. Einlaufend in die Stegsvig hatten wir unserem Konkurrenten (?) ordentlich Strecke abgenommen. Axel war´s zufrieden.

Anlegen war wieder passé, wir ankerten mit mehreren anderen in Lee der Nordküste in der Dyvig.

Schulz und Schultz - Kuttel daddeldu und Greif IV

Greif IV auslaufend Hørup Hav
Greif IV auslaufend Hørup Hav

Freitag, 12. Juli und Sonnabend, 13. Juli 2019

 

Die Nacht blieb erwartungsgemäß ruhig. Am nächsten Morgen blickten wir auf spiegelglattes Wasser. Wieder hatte es geregnet. Mit einem Joghurt im Bauch und der Aussicht auf frische, warme Leberpastete zum Frühstück gingen wir ankerauf und motorten eine knappe Meile in den Hafen von Hørup Hav. Kurz darauf lief auch Familie Schultz und Schulz ein. Auch Jette stand der Sinn nach Leberpastete. Später am Nachmittag saßen wir bei Kaffee und Keksen bei Bärbchen auf Kutteldaddeldu zusammen, abends kamen Bärbchen und Jette noch auf ein Gläschen Wein vorbei.

Morgen gemeinsamer Hafentag, dann vielleicht mit identischem Ziel Dyvig am Sonntag weiter. In Dyvig gäbe es kostenlosen Bustransfer nach Nordborg und dort viele Geschäfte, vor allem Second Hand und Antiqitäten zum Stöbern und für Schnäppchen. Allein Jette hat 27 Kinder, Enkel und Verwandte auf dem Zettel, die Weihnachten beschenkt werden wollen. Daran kann man nicht früh genug denken. Alle anderen machen die Erfahrung: „Weihnachten kommt immer so plötzlich!“

2 Nächte vor Anker

Sonnenaufgang im Wormshofter Noor bei Maasholm
Sonnenaufgang im Wormshofter Noor bei Maasholm

Mittwoch, 10. Juli 2019

Heute geht es weiter. Sonnenschein. Moderater Wind, zwischendurch auch mal gar keiner, sodass wir die Segel sogar ganz strichen und die Maschine für Vortrieb sorgte. Schon kurz darauf war der Nordwest zurück. Frisch aufgebrist brachte er uns mit 4 Kreuzschlägen bis vor Schleimünde. Obligatorisch die Frage, wohin? Maasholm, Kappeln oder Ankern? 

Die Entscheidung fiel auf die letzte Variante: Ankern. Gleich hinter der Modersitzki-Werft im Wormshofter Noor fiel der Anker auf 2,20 m Wassertiefe. Kein Getüdel, kein Platzgesuche, keine Leinen, keine Fender. Einfach per Fernbedienung und dank Kettenzählwerk die richtige Länge Ankerkette ausbringen, den Haken kurz in den Grund einfahren und in völliger Ruhe entspannen und den Rest des Tages genießen.

 

Donnerstag, 11. Juli 2019

Nachts hatte es geregnet, das Cockpit nass. Also ins Ölzeug, als wir gegen halb elf Anker auf gingen. Wind aus Südost, Segel gesetzt und Kurs Richtung Schleimünde genommen. Wieder einmal sollte uns der Wind das Ziel weisen. In Schleimünde erspähten wir noch „Greif IV“ und „Kuttel Daddeldu“. Falls es Hørup Hav wird, würden wir Familie Schultz und Schulz sicherlich dort treffen. Wir kamen zunächst langsam voran. Mit dem jetzigen Südwest kreuzten wir vor dem Wind, damit die Segel stehen und hofften auf eine Winddrehung nach West. Nach einer Halse kamen wir auf diese Weise auf dem anderen Bug schon ganz gut voran. Als nach einiger Zeit der Wind auf West drehte wurden wir mit Halbwindskurs richtig schnell. Leider war der wenige Sonnenschein bald wieder grauen Wolken gewichen. Beim Passieren der rotweißen Ansteuerungstonne in der Flensburger Förde, die gleichzeitig die deutsch-dänische Grenze markiert, setzten wir die „Margarethe“, die dänische Gastlandsflagge. Als Begrüßungsschluck wurde Portwein gereicht. Die Wolken entließen die ersten Regentropfen. Sonderborg oder Hørup Hav? Hafen oder Ankern? Wir entschieden uns für eine weitere Nacht vor Anker. Ein schneller Kontrollblick auf Wind und Richtung bei Windfinder ließ eine ruhige Nacht erwarten. Geschützt vor West, Südwest, Südostwind fiel der Anker. Die grauen Wolken und Dunst blieben im Westen. Bei nur ganz wenig Wind wurde es richtig warm. Wieder umfing uns Ruhe und Natur. Austernfischer stießen von Zeit zu Zeit im Überflug ihren typischen Ruf aus und in der Ferne meldete sich ein Esel zu Wort. 

Hafentage in Laboe

Dreierlei Fischbrötchen aus der Fischküche Laboe
Dreierlei Fischbrötchen aus der Fischküche Laboe

Freitag, 5. Juli bis Dienstag 9. Juli 2019

 

Wir blieben in Laboe bis einschließlich des kommenden Dienstags. Der Sonnabend mit Regen und viel Wind.

Die übrigen Tage ebenfalls viel Wind aber sonnig.

Täglich Spaziergänge, mal ein Bierchen und Wein nebst Fischbrötchen oder einem kleinen Teller Garnelen in der Fischküche. Hermi und Karin besuchten uns am Sonntag zum Klönen und Kaffeetrinken.

Zum Einkaufen muss man ja auch immer mal und der Edeka war weit entfernt. Zum Glück erwischten wir den Schnellbus Richtung Laboe auf der Rücktour.

Zum Abschluss ein gemeinsamer Abend mit der Besatzung von „Janna“ (Christian, Martina, Martinas Freundin Sabrina und Christians Schwester Helga) bei einem Open-Air-Shanty-Konzert nebst Weindorf. Eigentlich viel zu kalt um Wein zu trinken. Dennoch oder trotzdem:  Aus voller Kehle sangen wir im Schutze eines Weinstandes das gesamte Repertoire des Chores mit.

So wurde uns über die Tage die Zeit nicht lang.

Wie es "Dasindwir" zwischenzeitlich erging

"Dasindwir" in Nyborg. Neben einem von Kim Haugaard gebauten Aluminumschiff
"Dasindwir" in Nyborg. Neben einem von Kim Haugaard gebauten Aluminumschiff

Freitag, 5. Juli bis Dienstag 9. Juli 2019

 Wie der geneigte Leser schon weiß, ist "Dasindwir" zwischenzeitlich in Nyborg angekommen und wartete auf Kim, der das Want erneuern sollte. Gesellschaft und Zuspruch gab es von der Crew der "Compasrose“.

Kim Haugaard überzeugte Peter auf der ganzen Linie. Er schrieb per Whatsapp „Kim repariert es, als wenn du es nie mehr anders gehabt haben wolltest.“ Und „Unser Dank gilt Kim Haugaard, der in seinem Urlaub an „Dasindwir“ rumgedengelt hat.“

Also konnte es weitergehen und nicht wie ursprünglich geplant mit einer Notreparatur Richtung Heimat. Gemeinsam mit „Compasrose“ ankerten sie anderentags in Lee von Femø. Dann trennten sich ihre Wege. „Compasrose“ durch den Grønsund Richtung Schweden. „Dasindwir“ durch den Ulvsund bis um die Ecke bei Kalvehave, um auch dort zu ankern. Das Wetter war nicht so berauschend, Wind von vorn, Regen von oben und Strom gegenan. Dann reißt auch noch eine blöde Makrele die Schleppangel ab. Hat wohl das Prinzip nicht verstanden.

 

Rendsburg - Laboe

Hafenmeisters Refugium in der BB-Marina
Hafenmeisters Refugium in der BB-Marina

Freitag, 5. Juli

Wieder ein kühler Morgen. Ins Ölzeug geschlüpft; mit Funktionsunterwäsche hält es am besten warm.

Abgelegt unter Zuhilfenahme der Mittelklampe des dänischen Nachbarn. Der Kaffee schmeckt und kurze Zeit später auch das Käsebrötchen mit kaltem Ei von gestern. Irgendwie ganz anders als am gedeckten Frühstückstisch, auch wenn das Brötchen vom Nieselregen angeweicht wird.

Auf halber Strecke die obligatorische Überlegung: Wo fahren hier heute hin? Mit ordentlich Wind und Regenschauern wird uns die Förde erwarten. Strande wird erstmalig verworfen, wahrscheinlich randvoll, weil der Rückstau der auf die Ostsee strebenden Segler zuerst die beliebten Häfen füllt. Nehmen wir also die Baltic Bay Marina in Laboe. Ist ja auch ein nettes Örtchen, in dem man es ein paar Tage aushalten kann. Der Hafen groß genug, um ein freies Plätzchen zu ergattern. Denkste- nach einer Hafenrundfahrt und dem bedauernden Kopfschütteln uns entgegenkommender Boxensucher und der Botschaft "alles  belegt", befiehlt Chrissie: "Fahr da hinten in die Ecke. Da fehlt ein Mast!" Tatsächlich, direkt vor Hafenmeisters Büro, ein Ausleger fast so lang wie "Windspiel" und das Schild auf grün!

Erst mal nichts falsch gemacht auf D7. Beim Bezahlen wies uns der Hafenmeister dann ein unserer Schiffsgröße angemesseneres Plätzchen zu. Nicht weit entfernt wurde der Platz D31 gerade geräumt und wir verholten umgehend. Dort lagen wir in Lee zweier stattlicher Motorboote.

Abends steuerten wir die Fischküche Laboe an, um fast vor zwei bratpfannengroßen Backfischfilets zu kapitulieren. Obwohl der Laden rappelvoll war und wir einige Zeit warten mussten, entschädigt einen die geschäftige Atmosphäre und die Freundlichkeit des Personals. Pappsatt erreichten wir unsere Koje.

 

kurze Umfuhr - 20 Kilometer NOK

Das obligatorische Brückenselfie. Diesmal aus anderer Kameraperspektive
Das obligatorische Brückenselfie. Diesmal aus anderer Kameraperspektive

Donnerstag, 4. Juli

Die Wettervorhersage spricht ähnlich wie in den letzten Tagen von viel Wind auch auf der Ostsee😟. Also ist der Plan, nicht nur bei uns, die Kanalfahrt ein wenig auszudehnen.

Die Kanalgebühr zahlen wir beim Gieselauer Schleusenmeister. Damit sparen wir uns das lästige Anlegen an einer der Bezahlstellen in Holtenau. Der Stempel: "nur 3 Tage gültig" wird noch schnell auf die Quittung gedrückt und Schiffsdaten und -name elektronisch erfasst.

Die Kanalverwaltung glaubt tatsächlich allen Ernstes, dass das Gros der Kanalfahrer tagelang Urlaub im NOK macht und immer hin und her fährt. Das muss man natürlich nach Einführung der Bezahlautomaten auf jeden Fall verhindern. Auf die vielversprochene Bezahl- App werden wir aus Datenschutzgründen noch lange warten müssen.

Eine schriftliche Eingabe der Gruppe Nedderelv gegen diese hanebüchene und gesetzlichen Regeln widersprechende zeitliche Beschränkung einer Gebühr für eine offizielle Dienstleistung wurde beantwortet mit: sie werde noch geprüft und zu gegebener Zeit entschieden. Seit letztem Jahr lässt sich die Direktion der WSA Zeit für ihre Prüfung. Zum Glück wird die Prüfung der ordnungsgemäßen, also im Zeitrahmen befindliche Entrichtung der Kanalabgaben vom Schleusenpersonal großzügig gehandhabt. Wir dürfen über die Rettungsleitern nicht mehr auf die Schleuse und logischerweise das Personal auch nicht herunter. Wenn man gefragt wird, zeigt man also seinen Zettel, der von Ferne in Augenschein genommen wird. Hauptsache er ist grün, wenn er handschriftlich in Brunsbüttel oder im Gieselaukanal ausgestellt wurde. Oder weiß in der Größe eines Kassenbons, wenn er aus dem Automaten kommt. Ob man die große Zahl bezüglich der Schiffslänge überhaupt aus 4 m Höhe lesen kann? Geschweige denn das Ausstellungsdatum.

Mit diesen und anderen Überlegungen und einem zünftigen Kanalfrühstück gelangten wir zum RVR nach Rendsburg. Ein wenig gewartet, um nachzubunkern. Die Rechnung ergab 1,6 Liter Verbrauch je Stunde.

Das erneute Anlegen in einer der wenigen freien Boxen gestaltete sich schwierig. Das Heck, der an Bb liegenden Yacht ragte weit in die angepeilte Box hinein und deckte den luvwärtigen Heckpfahl unerreichbar ab. Also ohne Heckleinen auf den an Stb liegenden Nachbarn gut abgefendert gelegt und erst einmal Vorleinen ausgebracht. Eine Schwedin war sofort zu Hilfe geeilt und brachte auch unsere luvwärtige Heckleine mit voller Körperstreckung vom Nachbarschiff auf den Pfahl. Den leewärtigen Pfahl erreichte Axel nach mehreren vergeblichen Wurfversuchen ebenfalls mit voller Körperstreckung und dem Bootshaken.

Zur Belohnung gab es Gulasch.

"Dasindwir" war zwischenzeitlich in Nyborg angekommen und wartete auf Kim, der das Want erneuern sollte. Gesellschaft und Zuspruch gab es von der Crew der "Compasrose.

von Cuxhaven zum gieselaukanal

Bei Kilometer 40, abbiegen in den Gieselaukanal
Bei Kilometer 40, abbiegen in den Gieselaukanal

Mittwoch, 3. Juli und Donnerstag, 4. Juli

Mit frischem Wind aus West ging es nur mit der Genua 3 und 4-6 kn Fahrt durchs Wasser und bis zu 9 kn über Grund recht fix bis Brunsbüttel. Die Alte Süd erwartete uns schon. Weißes Licht und das Schleusentor sperrangelweit geöffnet. Die Schleuse war mal wieder unorthodox gefüllt. Zu kleine Lücken gelassen bzw. nicht weit genug an den Vordermann aufgeschlossen. Blieb uns nur eine 3 Tage alte Jeanneau Sun Odyssey 410 "Jone" aus Oslo zum Längsseitgehen. Die nahm uns bereitwillig an und der Skipper erzählte von ihrem dreitägigen Nonstop- Trip von Dunkerque, wo sie ihr Schiff gerade übernommen hatten. Eine halbe Stunde später war die Schleusenkammer mit 22 Schiffen gut gefüllt und wir konnten kurz darauf ausschleusen.

Chrissie hat sich fast schon traditionell Gulasch mit Kartoffeln und Nudeln gewünscht. Das Fleisch schlummerte schon im Kühlschrank und bei Kilometer 20 begann die Vorbereitung. Zwischen Kilometer 25 und 35 simmerte der Topf vor sich hin, ruhte dann ein wenig bis Kilometer 40, um 90 Minuten später vor der Gieselauschleuse verspeist zu werden.

"Dasindwir" hat es nicht so gut getroffen. Die Nacht über an Langelands Ostküste ankernd, ging es weiter Richtung Norden, bis das Steuerbordunterwant sich in einer Wende verabschiedete. Das Terminal im Mast war gebrochen. Zum Glück blieb der Mast oben und Peter behalf sich notdürftig mit den Hilfsbackstagen, um den Mast zu stabilisieren. Per Motor ging es nach Kerteminde, um dort einen Rigger zu finden. Den gibt es nur in Nyborg und Rod- Rigging sowieso nur in Kopenhagen. Also morgen wieder Richtung Süd nach Nyborg, um wenigstens ein Want aus Draht zu bekommen.

"Auf geht´s"

Die Kugelbake am 01. Juli 2019 bei West 7 und bestem Wetter
Die Kugelbake am 01. Juli 2019 bei West 7 und bestem Wetter

Die ersten drei Tage geht es gemeinsam mit "DASINDWIR" elbab bis Cuxhaven. 

In Glückstadt haben wir bei Wanda O. XL noch etwas abzuliefern: Das Dankeschön für das Halbmodell von Dasindwir.

Und als Belohnung dafür, dass Chrissie auf der Kreuz nach Happytown wie wild gekurbelt hat, kehren wir zur Stärkung im Kleinen Heinrich auf lecker Matjes ein.

Nun muss das Internet noch funzen – und alle treuen Leser sind „im Bilde“.

 

Sonnabend, den 29. Juli geht es mit der Mittagstide und leider bei Flaute und 30° C und mehr unter Maschine gemeinsam gen Cuxhaven.

Peter und Joshua hatten den lang gehegten Plan, über die Nordsee direkt nach Arendal oder Mandal in Norwegen zu segeln. Entschlossen legten sie am Sonntag Richtung Elbmündung ab. Wir blieben mit gemischten Gefühlen zurück; wollten wir doch ein paar Tage in Cuxhaven bleiben und von hier aus durch den Kanal an die Ostsee.

Die Wettervorhersage verhieß für die nächsten Tage nichts Gutes. Die ganze jütländische Nordseeküste über Blåvandshuk, Hvide Sande, Hanstholm und Thyborøn durchgehend immer mehr als 25 kn West- bis Nordwestwind und Böen bis 35 kn.

Wir verfolgten sie gespannt auf Marinetraffic. Nach einer guten Stunde drehten sie um. Wind 35 kn, Genua bis zu einem kleinen Dreieck weggerefft, konnten sie kaum noch Höhe halten und kamen zurück. Wir waren ehrlich erleichtert. "DASINDWIR" änderte ihren Plan. Nun geht es ab Montag über den NOK und den Großen Belt nach Norden.

Ein kleines Video kurz vor dem Umdrehen findet ihr hier

"WINDSPIEL" bleibt noch bis Mittwoch in Cuxhaven. Auch hier weht es seit Sonntag mit durchgehend 6 Bft. mit regelmäßigen Böen bis zu 8 Bft. Radfahren Richtung Duhnen will mit 8- 10 km/h gegen den Wind mühsam erstrampelt werden. Aber zurück! 28 km/h mit nur geringem Kraftaufwand.

Erste Fotos des Urlaubsanfangs gleich unterhalb.

Darunter auch Fotos von zwei Tieflöffelbaggern, die die Unterwasserdeponien am Rand der Medem- Reede für den Abraum und Schlick der Elbvertiefung vorbereiten. Es kommt einem so vor, als würden kleine Kinder an einem riesigen Strand buddeln, wenn man die Dimensionen der Elbe im Vergleich zu den Baggern sieht.