Traumhafte Kreuz nach Hause

"Greif", "Windspiels" Schwesterschiff
"Greif", "Windspiels" Schwesterschiff

Sonnabend, den 31. August 2019

 

Unsere App- informierten Nachbarn sprachen schon gestern davon, dass heute kein Wind sein würde. Die Windfinder- App bestätigte dies ebenfalls am heutigen Morgen. Der Blick in die hochstehenden Bäume direkt am Hafen ließ zumindest segelbaren Südwind erwarten. Gegen halb zwölf verließen alle elbauf strebenden Yachten den Hafen. Vor der Schleuse wartete schon „Spinner", die Bianca 36 unserer Nachbarn. Wir verabredeten uns für abends, wollten gemeinsam ein Taxi nehmen um nach Hause zu kommen bzw. unser Auto in den Yachthafen zu holen. -

Die Kreuz nach Wedel entpuppte sich als schönste Segeltour der diesjährigen Reise. Bei 4-5 Beaufort mit seltenen Böen von 6 Bft. brachte uns wie im Fluge in weniger als vier Stunden nach Hause. 19 Wenden waren dafür notwendig. Jede davon perfekt gekurbelt von Chrissie. „Windspiel“ at it´s best. Unsere Freude an diesem Tag hielt bis in den Abend und wird sich immer wieder mal im Gedächtnis bemerkbar machen.

 

Ein Dankeschön an unsere knapp 800 Leser in den letzten beiden Monaten, verbunden mit der Hoffnung, dass es euch ein wenig Freude gemacht hat, uns auf der Reise zu begleiten.

 

Schleimünde – Strande – Rendsburg - Brunsbüttel

In der Holtenauer Schleuse
In der Holtenauer Schleuse

Dienstag, 27. August 2019 bis Freitag, 30. August 2019

 

Mit leichtem Südwestwind und einem dunkelgrauen Himmel empfängt uns die Kieler Bucht. Einigermaßen flott passieren wir das Sperrgebiet unter der Küste von Schönhagen und Damp. Abgefallen und über den Stollergrund Richtung Bülk und Strande. Die Sonne hat gewonnen, es wird fast 30° C warm. Zu unserer großen Freude finden wir einen Liegeplatz am kommunalen Steg Nr. 7. Sonst verläuft der Tag ereignislos. Wir versuchen so gut wie möglich der Sonne bzw. der Hitze zu entkommen.

Den Hafentag am Mittwoch verbringen wir mit Baden, Sonnen und Faulenzen. Abends ein ebenfalls liebgewonnenes Ritual: Einkehr in das Restaurant des KYC.

 

Donnerstag, 29. August 2019

Eine gute Stunde warten wir vor der Schleuse. Den Gipfel der Impertinenz erklomm heute der diensthabende Schleusenmeister. Nach einer halben Stunde Wartezeit fragte eine Sportbootbesatzung per UKW, wann mit einer Schleusung der Sportboote zu rechnen sei. Die Anfragerin wurde erst einmal belehrt, dass nur (was alle wissen) eine Schleusenkammer geöffnet sei und natürlich die Berufsschifffahrt Vorrang habe. Die Antwort auf die Frage, ob er ein Zeitfenster eingrenzen könne, ein „Ja“, gefolgt von Schweigen. Auf die finale Frage, ob er das Zeitfenster mit einer ungefähren Uhrzeit eingrenzen könne, kam die Antwort: „Heute“. Die Sportbootbesatzung bedankte sich höflich. Man hörte förmlich die Spucke, die ihnen im Halse stecken geblieben war. Wir waren froh, als er die auf die Schleusung wartenden 9 Sportboote eine gute halbe Stunde später, nachdem bereits 2 Feederschiffe und zwei Kümos in der Schleuse waren, zum Einlaufen aufforderte. Ein Musterbeispiel gelungener Behördenkommunikation.

Rendsburg erreichten wir nach knapp vier Stunden. Tankten 38 Liter Marinediesel, machten blöderweise, weil wir uns verschätzt hatten, in der vermutlich längsten Box fest und mussten die Heckleinen noch aufstecken.

Nachts wurde Axel von arabisch klingenden Wortfetzen wach, stand auf und machte einen langen Rundumblick. Niemand zu sehen - weiterschlafen. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass sich tatsächlich Unbefugte im gesamten Hafen aufgehalten haben, sich Zugang zu einem Motorboot verschafft hatten und von einem Nachbarlieger verscheucht wurden. Ob etwas gestohlen wurde war bei unserer Abfahrt nicht klar. Die Polizei war vor Ort und nahm verschiedene Zeugenaussagen auf. Erstaunlich, wie viele Segler mit leichtem Schlaf, ähnlich wie Axel, mehr oder weniger von diesem „Vorfall“ mitbekommen hatten.

 

Freitag, 30. August 2019

Unspektakulär und routiniert die weitere Reise nach Brunsbüttel. Bestes Wetter. Nur das Schnüffelventil vom Seewasserzulauf fing an im Sekundentakt zu tropfen. Was dazu führte, dass halbstündlich die Tupperdose, die diese Tropfen auffängt, mit der selbstansaugenden Wasserpistole geleert werden musste.

Abends gab es einen Absacker auf Windspiels Schwesterschiff „Greif“ von der SVAOe. Aus Freude und dem Wunsch nach einem perfekten Schiff, haben die beiden Eigner ihre Faurby bis in die letzte Ecke optimiert. Verbunden mit dem netten Angebot, uns bei der Suche nach eigenen Optimierungen am Schiff ihre Erfahrungen gerne weiter zu geben. „Greifs“ herausragendes Alleinstellungsmerkmal ist ein Hubkiel, der nachträglich von der Wegener- Werft gegen den normalen Kiel getauscht wurde.

 

der andi

Die Giftbude in Schleimünde
Die Giftbude in Schleimünde

Montag, 26. August 2019

 

Anker auf und kurze Umfuhr nach Schleimünde. Zur Mittagszeit kann man sich die Plätze noch aussuchen. Wir legen uns neben den kleinen Küstenkreuzer „Maghreb“ aus Hamburg. Nach kurzer Zeit kommt auch der Eigner zurück an Bord und wir schnacken ein paar Zeilen. Fragt er doch am späteren Tag, wieso wir ihm auf den Kopf zu sagen konnten, dass er aus Hessen kommt? Er spreche doch reines Hochdeutsch. Vorher schnappten wir ein kurzes Selbstgespräch auf: „Ei, mei Boot is dreggisch, des muss isch als ma butze.“ Ansonsten hatte der Andi gerade eine anstrengende Yachtüberführung mit älteren Herren von Mallorca nach Kiel hinter sich und wollte sich jetzt an seinem eigenen Boot erfreuen. Im Laufe des Nachmittags erkundete er mit kindlicher Freude sein neues Beiboot von Sevylor, Typ Fish Hunter. Eigentlich ein besseres Badeboot, aber für Andis Zwecke bestens geeignet. Dann ging es noch um die Wahl der nächsten Ziele für den Andi. Soll er auf der Schlei bleiben oder doch noch Rund Alsen? Wie befestigt er sein Beiboot am besten am Spiegel, bei welchen Windstärken solle er es besser wieder abriggen usw.? Wir sprachen ihm vor allem Mut für seine Entscheidungen zu. Ihm, der gerade unter widrigsten Wetterbedingungen mit einer körperlich schwachen Altherrencrew upwind die Strecke Mallorca – Kiel in 7 Wochen bewältigt hatte.

Später Abends saßen wir noch mit dem Andi bei uns an Bord und machten uns gemeinsam Sorgen um den Zustand der Welt. Und waren uns einig, dass Greta Thunbergs „Skolestrejke for klimaet“ hoffentlich viele Menschen und deren politische Vertretungen nicht nur zum Umdenken sondern auch zum Handeln bringt. Gerade erst ein Jahr ist es her, am Montag, den 20. August 2018 ganz genau, dass sie vor dem schwedischen Reichstag mit ihrem berühmten Schild den Klimastreik begonnen hat.

 

Nachmittags genossen wir die rustikale Lounge der „Giftbude“ bei einem kühlen Bier. Gechillt ist für dieses Fleckchen Erde der treffende Ausdruck. Wer diese Stimmung erlebt hat, braucht keine Fernreise, keine Kreuzfahrt, keine Karibik, kein Malle und keine Malediven. Vielleicht ist Segeln nach wir vor behaftet mit dem Siegel des Elitären, einem nur reichen Menschen vorbehaltenen Freizeitvergnügen. Unsere eigene Geschichte und die unseres Vereines und vieler anderer Vereine ist eher vom Gegenteil gekennzeichnet. In diesem Jahr ist uns aufgefallen, dass Familien mit kleinen Kindern auf kleinen Booten wieder häufiger zu sehen waren. Bei dem momentanen Bootsmarkt zukünftig hoffentlich noch häufiger zu beobachten. Aus einem Gespräch zweier Vindø- Eigner schnappten wir am nächsten Morgen auf, dass der Markt so zusammengefallen sei, dass man auch für eine einigermaßen gut erhaltene Vindø einen Preis nur unter 10.000 € erzielen könne.

 

Gemeinsam mit der Crew der „Windmühle“ aus Stade, Jens und Monika, ließen wir uns abends von der Küche der „Giftbude“ verwöhnen. Schon ab halb fünf machte der Duft von Bratkartoffeln auf die Küche aufmerksam. Die entpuppten sich als mindestens so gut wie hausgemacht. Keine Fertigware aus der Tüte mit Schmalz versetzt, sondern echte frisch zubereitete und liebevoll gebratene Kartoffeln. Dazu Bratheringe oder Matjes; eine Currywurst mit Pommes oder einen Salat hätte es auch noch gegeben. Frischfisch war heute leider nicht im Angebot. Das ist immer abhängig von den Fangerfolgen der Maasholmer Fischer. Wir waren jedenfalls rundum zufrieden mit dem Gebotenen. Ach ja, der Betrieb der „Giftbude“  obliegt seit diesem Jahr den Schleswiger Werkstätten und ist dort in guten Händen gelandet. Die vorigen Betreiber, die regionale Küche vom Land und aus dem Meer angeboten hatten, sind in den Arnisser Hafen „abgewandert“ und betreiben dort mit viel Erfolg das Restaurant „Specht“

 

Avernakø - Schlei

Fröhliche Grillrunde grüßt die Besatzung der "Freja", die fast schon zu Hause ist
Fröhliche Grillrunde grüßt die Besatzung der "Freja", die fast schon zu Hause ist

Sonnabend, 24. August 2019 und

Sonntag, 25. August 2019

 

Früher Abschied. Um fünf vor acht heißt es Leinen los bei „Freja“. Wir bleiben und werden die beiden beim SKH-Grillabend vertreten. Bevor es soweit ist gehen wir noch einmal im herrlich klaren Wasser baden. Inzwischen kommen auch nach und nach die SKH- Vereinskameraden aus Hørup Hav oder Maasholm an. Unser Grillbestand war komplett zur Neige gegangen, sodass ich die 1,5 km Fußweg zum Købmand in Angriff nehmen musste, wo ich u.a. ein tiefgefrorenes Lammculotte erstand. Als Beilage zauberte Axel kurzerhand einen Nudelsalat. Wir verlebten einen sehr schönen Grillabend, der auf der "Oceanos" mit einem Absacker seinen gelungenen Abschluss fand.

 

Sonntag, 25. August 2019

Fast gleichzeitig verließen die vier SKH-Schiffe und „Windspiel“ den Hafen. Nach Passieren der Südwestspitze von Avernakø liegen wir fast schon den Kurs Richtung Schlei an. Dort wollen wir heute hin und ankern, wahrscheinlich zum dritten Mal hinter der Modersitzki-Werft im Wormshöfter Noor. Bei Skjoldnæs vereinte sich die heimwärts strebende Flotte der gestrigen Schiffahrtsregatta mit den übrigen Urlaubs- oder Wochenendheimkehrern. Viele große und schnelle Schiffe liefen teils unter Code Zero an uns vorbei. Erst bei Höhe Gammel Pøl erwischte nicht nur uns eine Flautenstrecke. Aber nach einer Viertelstunde unter Maschine kam wieder schwacher Wind durch, allerdings blieb weiterhin eine unruhige See. Erst auf den letzten paar Meilen nahm der Wind auf knappe 4 Bft. zu, sodass „Windspiel“ endlich ins Laufen kam. Mit einer Halse vor Schleimünde liefen wir unter Segeln bis ins Wormshöfter Noor, wo wir bei immer noch herrlichem Wetter den Anker fallen ließen.

 

treffen mit "Freja"

"Freja", Hallberg Rassy 34
"Freja", Hallberg Rassy 34

Montag, 19. August 2019 bis

Freitag, 23. August 2019

 

Montag, 19. August 2019

Wir bleiben in Ærøskøbing. Viel Wind ist angesagt, trotzdem wollen Hermi und Karin mit „Freja“ von Lundeborg zumindest bis Svendborg, eventuell sogar nach Ærøskøbing kommen. Sie starten bei moderatem Wind, dann eine Kreuz bei  6 Bft. Das heutige Ziel bleibt Svendborg. Wir gehen derweil Eis essen und wettern einen Schauer im „Gamle Købmansgaard" bei einem Espresso ab. Und morgen treffen wir uns mit „Freja“ auf Drejø.

 

Dienstag, 20. August 2019

Gegen 11 Uhr ist der Hafen halbwegs leergefegt. Bei kräftigem Wind von der Seite lassen wir einfach den Bug wegklappen und können in leerer Boxengasse problemlos ablegen. Raumschots mit ordentlich Geschaukel kommen wir in Drejø an. Gerade noch rechtzeitig, um die Nachbarbox von „Freja“ belegen zu können. Ein obligatorischer Marsch ins Dorf mit Eis schlecken und dem Erwerb einer Schokolade, einem Stückchen Butter und einer Limone beim Købmand. Axels rechtes Knie spielt nicht mit und begleitet ihn die nächsten Tage mit ungewohnten Schmerzen.

Abends serviert er den von Bendixens Fiskehandel mitgebrachten Dorsch, gedünstet in Zitronen-Sahne-Sauce mit Butterkartoffeln.

 

Mittwoch, 21. August 2019

Søby oder Marstal ist heute Morgen die Frage? Was liegt günstiger, wenn „Freja“ noch auf die Schlei möchte? Es wird Søby, wo wir nach dem Anlegen alle gemeinsam baden gehen (18° Wassertemperatur) und bei schönstem Wetter am Abend grillen.

 

Donnerstag, 22. August 2019

Immer noch Südwest. Wir überlegen, nach Lyø zu segeln – oder zu bleiben. Als sich herausstellt, dass wegen des kräftigen Südwestwinds auch „Freja“ noch einen Tag bleiben würde, ist die Entscheidung gefallen. Außerdem kneift Axels Knie seit Drejø. Das erholt sich hoffentlich bei Schonung und einem Tag Pause.

Während Hermi und Karin die Busverbindung nach Ærøskøbing nutzen, bleiben wir ganz entspannt an Bord. Am Abend wird die Kombüse durch Arthurs Café ersetzt und wir verdrücken einen Burger. Das freudig erwartete Fassbier „Arthur Classic“ allerdings entpuppte sich als untrinkbar.

 

Freitag, 23. August 2019

Wieder überraschen uns Hermi und Karin mit ihrer Entscheidung, noch einen Tag dänische Südsee dranzuhängen. Außerdem: Immer noch Südwest, morgen Ost. Und es treffen sich mehrere mit den beiden befreundete SKH-Schiffe auf Avernakø. Auch als sich herausstellt, dass das Treffen erst am Sonnabend stattfindet, segeln wir gemeinsam die 7 ½ Meilen nach Avernakø. Einträchtig nebeneinander in benachbarten Boxen genießen wir das schöne Wetter, gehen baden und grillen am Abend die noch in Søby besorgten Leckereien.

 

Doofes Wetter

Haus am Marktplatz in Ærøskøbing
Haus am Marktplatz in Ærøskøbing

Sonnabend, 17. August 2019 und

Sonntag, 18. August 2019

 

Doofes Wetter, wir schauen aufs Meer Richtung Flensburger Förde, um unsere Segelfreunde heranzugucken. Leider sind sie ohne weitere Nachricht nicht erschienen. Vermutlich war ihnen das Wetter auch zu doof. Was macht man also? Die Stege auf und ab spazieren, Schiffen beim An- und Ablegen zugucken und natürlich den örtlichen Brugsen frequentieren. Und natürlich die hohe Kunst- einfach mal nichts tun und den Rest des Tages ereignislos, aber nicht langweilig vorüberziehen lassen. Das fällt leicht, wenn man sich kein Ziel gesetzt hat. 

Sonntag, 18. August 2019

Immer noch doofes Wetter. Regen aber moderater Wind. Gezaudert, ob wir überhaupt ablegen sollen. Eigentlich wollen wir nicht bei Regen segeln. Chrissie ist die Stärkere von uns Beiden und gibt den Mitschnacker für Axel. Also der Lethargie die rote Karte zeigen. Warm anziehen, Ölzeug drüber und ablegen in einen nasskalten grauen Tag.

Hoch am Wind aus dem Hørup Hav heraus, vor dem Middelgrund eine Wende und abfallen Richtung Kegnæs und Pøls Rev. Damit die Segel stehen bei Pøls Rev eine Kuhwende und danach etwas höher ran und nicht den direkten Kurs nach Skjoldnæs gesteuert. Nach gut 3 Meilen Nordkurs wiederum eine Kuhwende Richtung Skjoldnæs bei durchgehend 5-6 Windstärken. Erst jetzt hört der Regen langsam auf. An der Ostküste von Ærø lässt der Wind nach und mit 3-4 Bft. können wir Urehoved mit knapp halbem Wind anliegen. Eine gecharterte 34er Hanse motort mit dem Hebel auf dem Tisch in die gleiche Richtung. Sie ist ganz knapp ein wenig schneller unterwegs, weil wir nicht durchgehend 6,4 Knoten auf die Logge bringen können. Die Erklärung im Hafen, man sei den weiten Weg von Høruphav gekommen, unterwegs im Regen nass geworden und hätte eine Winddrehung gehabt. Da wäre die Maschine die bessere Alternative gewesen.

Na, wir sind froh, wenn auch in feuchter Atmosphäre, den inneren Bequemlichkeits- Schweinehund widersprochen zu haben, um nach dem Anlegen in wärmender Sonne zu sitzen und ein Gläschen Rum plus einer Kanne Bier auf den schönen Tag auf See zu lenzen.

 

Neustart nach Høruphav

Muffe, die Freundin von Ballerbude. Nebenerwerbsfischer in Høruphav
Muffe, die Freundin von Ballerbude. Nebenerwerbsfischer in Høruphav

Freitag, 16. August 2019

Sonnabend, 17. August 2019

 

Vor fast einem Jahr ist Chrissie bei einer unfreiwilligen Halse vom Baum ins Cockpit geschleudert worden. Ebenfalls bei geplanter Reise von Grauhöft nach Høruphav. Mit unausgesprochen gemischten Gefühlen legten wir ab und motorten bei ähnlichen Windverhältnissen das kurze Stück nach Grimsnis/Rabelsund. Danach setzten wir die Genua und segelten sinnig gen Schleimünde. Auf der Ostsee waren wir anfangs noch defensiv unterwegs. Viele große Yachten kamen uns ziemlich auf der Backe liegend entgegen. Kronsgaard querab entschlossen wir uns, bei nachlassendem Wind, das Großsegel zu setzen. „Windspiel“ freute sich mit uns und gab sich die Sporen. Wieder einmal mit 7 Knoten plus und einem Schrick in den Schoten ging es Richtung Høruphav. Dort wollten wir morgen mit Segelfreunden aus dem Verein zusammentreffen und planen einen Hafentag für das freudige Wiedersehen und Inaugenscheinnahme des neuen Schiffs ein.

Abends genossen wir den vom Hafenmeister angeheizten Grill, brieten Nackenkoteletts natur, würzten sparsam hinterher und verspeisten sie mit Couscous von Brugsen. Den lauschigen Restabend verbrachten wir in den Himmel und aufs Meer schauend in der Plicht von Windspiel.

 

Baller- Bude, der Freund von Muffe
Baller- Bude, der Freund von Muffe

Grauhöft, die Dritte Folge

Eins von vielen Bronzereliefs im Straßenpflaster von Kappeln
Eins von vielen Bronzereliefs im Straßenpflaster von Kappeln

Mittwoch, 14. August 2019 und

Donnerstag, 15. August 2019

 

Axel hätte es beruflich fast noch ausgebremst. Dank guter Absprachen und Unterstützung aus dem „Bordoffice“ konnten wir schon Mittwoch fahren.

 

Der geliehene Fiesta „active“ bringt uns mit einem kleinen Stau auf der A7 zurück nach Kappeln und erlaubt uns abends noch einen Abstecher zum Essen nach Maasholm. Dorsch gebacken oder in Eihülle gebraten landete in Raubs Restaurant auf unseren Tellern. Ehrlich, reichlich und lecker und sehr freundliche Bedienung, würde unsere Gastrokritik lauten.

Uns beschäftigt als langjährige Kicktipper natürlich die neue Fußballsaison, die am Freitag beginnt. Ein „kicker“ zur präzisen Prognose wurde erstanden und wird von vorne bis hinten studiert, um die richtigen Entscheidungen zwecks ersten Trainer- Rauswurfs, Verein mit dem Torschützenkönig, dem Herbstmeister und dem Deutschen Meister zu treffen. Natürlich müssen auch die Ergebnisse des ersten Spieltages perfekt erspürt werden, um gleich die Spitze der Tipptabelle zu übernehmen.

 

Donnerstag, 15. August

Frühmorgens den Leihwagen abgegeben und die bestellten Brötchen eingesammelt. Es regnet und wir verkriechen uns tatsächlich noch einmal in die Koje.

Das „Bordoffice“ kann noch ein wenig warten. Frau B. möchte zum wiederholten Male mit einer schriftlichen Kleinen Anfrage in Erfahrung bringen, wie es um die Schulpflichtverletzungen in Hamburg bestellt ist.

Chrissies Birdy musste leider in Hamburg bleiben. Schweißnaht nach 600 km an der Vorderradschwinge gerissen. Wir hoffen auf die Kulanz vom Premiumhersteller Riese und Müller, auch wenn das Rad nicht bei 300 km zur ersten Inspektion war. Wie sollte eine Inspektion auch eine gerissene Schweißnaht voraussehen?

Abends führt uns ein Spaziergang nach Kappeln in ein eigentlich gechilltes Restaurant, von dem wir vor einigen Tagen mit unseren Rädern von oben herab verjagt worden sind, weil wir unsere Fahrräder an der Seite der Terrasse abstellen wollten, diese aber gerade eröffnet werden sollte. Mit dem Hinweis, nach rechts gäbe es einen Fahrradständer. Der wies aber Engel & Völkers als Eigentümer aus. Auf der linken Seite gehörte der Fahrradständer dem benachbarten Lokal.

Da wir uns im letzten Jahr bestens bedient fühlten, heute ein zweiter Versuch. Gähnende Leere, gerade mal zwei Gäste anwesend und alles aufs Feinste eingedeckt. Axels höfliche Frage an die Direktrice, ob Platz für uns wäre, um eine Kleinigkeit zu essen und etwas zu trinken, wurde mit einem sehr langen Blick ins Reservierungsbuch erst einmal nicht beantwortet. Axel erspähte zwei Einträge. Mit wichtiger Miene wurden uns tatsächlich zwei Alternativen zur Auswahl gestellt! Schmunzelnd sahen wir uns an, und da wir Hunger hatten, blieben wir. Im Verlaufe des Abends kamen tatsächlich noch eine Sechsergruppe und ein joviales Herrendoppel, die reserviert hatten. Ein weiteres Pärchen wurde von der studentischen Hilfskraft an den 10er Tisch links außen am Eingang platziert. Dies wurde von der Direktrice wegen persönlichen Bekanntseins umgehend korrigiert. Die Herrschaften bekamen einen der vielen freien Zweiertische in der Weite des Etablissements. Mehr war an diesem Abend nicht los. Die studentische Hilfskraft bekam ein angemessenes Trinkgeld, die Direktrice die kalte Schulter. Wir hoffen auf nächstes Jahr.

 

Pause in Grauhöft

Skulptur als Mahnung gegen die Verschmutzung der Meere in Schleimünde
Skulptur als Mahnung gegen die Verschmutzung der Meere in Schleimünde

Donnerstag, 8. August 2019 bis

Donnerstag, 15. August 2019

 

Bei guten 6 Bft. Seitenwind ablegen gelingt nur mit tatkräftiger Hilfe unseres freundlichen Nachbarn. Axel kurbelt uns mit der Genuawinsch Richtung Heckpfahl, während der Nachbar alle Kraft aufbieten muss, um „Windspiel“ nicht wegklappen zu lassen. Chrissie öddelt die Leine mit ordentlich Power vom Pfahl und mit kräftig rückwärts kommen wir frei. In Kappeln angekommen werden wir auf Platz 109 dirigiert. Kaum sind die Heckleinen über Kreuz gelegt, entlässt ein Gewitter kräftigen Regen und Wind. Glück gehabt: Nur die ersten dicken Tropfen erwischen uns.

Unsere Blankeneser Nachbarn verbringen mit ihrer Bianca 36 ein verlängertes Wochenende in Grauhöft, und wir treffen uns zu Espresso und Klönschnack bei uns an Bord. Bis Sonntag bleiben wir hier. Windfinder verspricht viel stürmischen Südwestwind bis zum Wochenende. Da verfallen wir endgültig in den Pensionärsmodus und bleiben hier. Abwechslung bringen Fahrradtouren in die Schleiperle, endlich mal wieder Duschen, lecker essen und in den Tag hineinleben. Und natürlich endlich den Blog nach neun Tagen Internet- Niemandsland auf Stand bringen.

Dann geht es am morgigen Montag für drei Tage nach Hamburg. Axels Arbeit ruft, ebenso der Friseur, die Mamas und zwei Ärzte. Außerdem gibt es einen Riss in der Vorderradgabel meines Fahrrads. Das soll gleich mit zur Begutachtung bei unserem Fahrradladen in Blankenese. Volles Programm also. Donnerstag soll es sinnig weitergehen. Ankern in der Gänsebucht usw.

Schleimünde

Seetang am Ostseeufer in Schleimünde
Seetang am Ostseeufer in Schleimünde

Mittwoch, 7. August 2019

Donnerstag, 8. August 2019

 

Kurze Umfuhr nach Schleimünde. Peter hält den Platz direkt neben sich für uns frei. Weil allerdings ein Vater mit seinen drei Kindern mit einer Vorleine am Pfahl im Wind liegend in aller Ruhe seine Leinen und Fender klariert, um anzulegen und damit kurzzeitig zwei freie Liegeplätze blockiert, müssen zwei ältere Herren unverzüglich darauf drängen, den freien Platz neben „Dasindwir“ in Beschlag zu nehmen. Peters Bitten haben nicht geholfen. Aber wir sind in Schleimünde. Da schüttelt man maximal den Kopf und regt sich nicht auf. Wir nehmen halt eine halbe Minute später den Platz neben dem Vater mit den drei Kindern.

So ist doch Schleimünde ein magischer Ort. Dort ticken die Uhren und die Menschen anders. Einige, die das nicht kennen, muss man noch darauf hinweisen, dass jeweils nur ein Heckpfahl belegt wird. Erstens stehen sie weit auseinander und zweitens fällt das An- und Ablegen deutlich leichter. Aber die Stimmung in Schleimünde ist einmalig gechillt.

Bei uns steht Baden und Angeln auf dem Programm, wieder ein gemeinsames Abendessen, ein Gang über die Halbinsel und zum Leuchtturm inklusive eines Absackers in der Giftbude. Chiara gibt einen aus. Ein Gewitter zieht kurz nach dem Baden heftigst über uns hinweg.

 

12th Anniversary im Cameo

Beim 11. Treffen im letzten Jahr
Beim 11. Treffen im letzten Jahr

Ein sonniger Morgen erwartet uns. Peter holt frische Brötchen, und eigentlich wollen wir nicht weiter, so schön ist das süße Nichtstun vor Anker liegend. Aber gegen Mittag gehen wir ankerauf Richtung Kappeln, um uns wie verabredet mit Walter und Una zu treffen.

Kaum angekommen wird frischer Kuchen gebracht, und wir beschließen traditionell ins „Cameo“ zum Essen zu gehen. Der Tisch ist schon bestellt. Tanja, die Chefin, hat wieder unsere Lieblingsecke freigehalten.

Unsere Gespräche drehen sich viel um die drei Jungs, Fabian, Kilian und Julian. Mama redigiert immer noch die Examensarbeiten, und wenn das Familienauto einen Platten hat, ist sofortige Hilfe aus der Ferne gefragt. Vor allem, wenn die Examensarbeit auf den allerletzten Drücker nach Aachen muss. Ansonsten sind die drei für ihre Ausbildung national und international mit viel Erfolg unterwegs. Berkeley winkt z.B. mit einem Stipendium! Schön zu hören, wenn man beruflich eher mit dem Gegenteil zu tun hat.

 

ærøskøbing - Wormshöfter Noor

"DASINDWIR" passiert Skjoldnæs
"DASINDWIR" passiert Skjoldnæs
DSW und WSP einträchtig vor Anker- Foto: Chiara
DSW und WSP einträchtig vor Anker- Foto: Chiara

Montag, 5. August 2019

 

Mit leichtem Südwestwind kreuzen wir vor dem Wind gen Skjoldnæs. Kurz vor der Nordspitze nehmen wir kurz die Maschine zu Hilfe, bis sich Südwind durchsetzt. Hoch am Wind passieren wir Skjoldnæs mit Kurs Richtung Alsen/Mommark. Peter hat einen kleinen Filmclip von "Windspiel" aufgenommen. Zum Glück dreht der Wind langsam östlicher, perfekt, um die Schlei direkt anliegen zu können. Strukturloser dunkler Himmel entwickelt sich über der Kieler Bucht. Ölzeug raus und angezogen. Mit durchschnittlich gut 6 Knoten macht das Segeln trotz des Regens Spaß.

Und immer diese Entscheidungen wohin, vor allem, wenn man mit zwei Schiffen unterwegs ist. Whatsapp hilft bei der Kommunikation: Erst einmal in Schleimünde gucken und als Alternative ins Wormshöfter Noor, bei Maasholm um die Ecke. Dort liegen wir am Nachmittag bei aufklarendem Wetter gemeinsam mit „Dasindwir“ vor Anker. Schleimünde war randvoll.

Ein magischer Abend folgt. Gemeinsam essen wir, sitzen im Cockpit, lauschen Chiaras Erzählungen vom CISV- Sommercamp in Washington/DC, hören das Cream- Konzert und andere Musik. Nachdem Peter und Chiara mit dem Schlauchboot zurück zu „Dasindwir“ gerudert sind, sitzen wir noch lange bei weiterer Musik in der Plicht, sehen in die Sterne, hängen unseren Gedanken nach und machen uns Gedanken über die Zukunft unseres Planeten und was wir dafür tun können.

Der Kædegripper kommt erstmalig zum Einsatz und beschert uns trotz kräftigen Windes aus Südwest eine ruhige Nacht.

Rock, Jazz, Baden, Tauchen, Minigolf, Krebse angeln und Chillen

Ærøskøbings Badehäuschen in hoher See
Ærøskøbings Badehäuschen in hoher See

Sonnabend, 3. August 2019

Sonntag, 4. August 2019

 

Kurz vor neun ging es nördlich Richtung Rev Trille. Wind ist leider Fehlanzeige. Da wird heute die Dieselfock tätig. Ærøskøbing sei sehr voll, schrieb Walter, also unterlassen wir Segelversuche bei unter 2 m/s Wind von achtern. Ærø Jazzfestival ist ebenfalls, dorthin wollen wir Walter und Una auf jeden Fall begleiten. Um kurz nach elf legen wir direkt neben „Thrill“, der gecharterten Hanse 348 an. Großes Hallo, als wir uns zum 12. Mal in Folge auf unseren jeweiligen Sommertörns begrüßen. Bei grünem Tee und einem Stück Kuchen beratschlagen wir den Tagesverlauf, der mit einem Bad in der Bucht beginnt und bei klarstem, völlig quallenfreien Wasser ein erstes Highlight unseres Aufenthalts bildet. In der alten Werfthalle hatte um 14 Uhr die Musik mit der V/Ærø Special Bigband begonnen. Eintritt frei, erwünscht ist eine finanzielle Unterstützung. Dafür bekamen die Spender ein Armband, das 10 Kronen Rabatt auf jedes Bier gewährte.

Zwischendurch ließen wir uns am Torvet einen kleinen Imbiss munden, bevor wir zum Auftritt der „Sisters Of Jazz“ zurück in die Werfthalle spazierten.

Auf unserem Handy verfolgten wir das Näherkommen von „Dasindwir“. Peter ist mit Chiara zu einem einwöchigen Törn aufgebrochen. Dem Wunsch seiner Tochter folgend, die gerne zu „Windspiel“ wollte, haben die beiden bei ziemlicher Flaute die Reise von Schilksee nach Ærøskøbing in Angriff genommen.

Dank der technischen „Verfolgungsmöglichkeiten“ durch AIS und der einen oder anderen Whatsapp konnten wir „Dasindwir“ mit Goodwill und Zusammenrücken unserer Nachbarn zwischen „Thrill“ und „Windspiel“ in dem übervollen Hafen einen Liegeplatz ermöglichen.

Dann erneuter Aufbruch in die Werfthalle zu „Ibrahim Electric“. Weniger Jazz als Jazz-Rock einer Drei-Mann-Band, bestehend aus Gitarre, Schlagzeug und Hammondorgel. Wir waren alle schwer begeistert.

 

Sonntag, 4. August 2019

 „Thrill“ ist zeitig Richtung Kappeln aufgebrochen. Wir bleiben noch einen Tag mit Peter und Chiara.

Dank eines Leihkeschers vom Minigolf-Kiosk angelte Chiara mit Begeisterung Krebse. 27 sind es am Ende geworden. Bei Sonnenschein und frischem Wind wurde natürlich gebadet. Dem Wunsch Chiaras, etwas später noch ein zweites Mal ins Wasser zu gehen, wollte keiner so recht nachkommen. Aber da Chiara sich nicht gut selbst beim Tauchen fotografieren kann , konnte Axel ein zweites Mal Baden schlecht ablehnen. Eine Unterwasser Film und Fotostrecke war das Ergebnis.

Später wurden wir zu einer Runde Minigolf „motiviert“. „Hole In One“ gelang nur Chiara zwei Mal. Ansonsten haben viele vergebliche Schlagversuche viel Zeit gekostet, sodass Chiara an Bord auf die Schnelle die schon bewährte Blitz-Tomaten-Soße anrührte, die mit viel Piskefløde (Sahne) zu Schmetterlingsnudeln gereicht wurde.

 

Æggekage und Avernakø

Segelinstallation auf Avernakø
Segelinstallation auf Avernakø

Donnerstag, 1. August 2019 und

Freitag, 2. August 2019

 

Am Morgen beobachte ich einen kleinen Schwarm kleinster Heringe neben unserem Boot. Silbern glitzern sie und schwärmen in einer Einheit hierhin und dorthin. Dabei ziehe ich die Verbindung zu Axels neuer Angel. Wie bekommt er bloß all seine Fänge aus dem Wasser, ohne Kescher. Der Marineshoppen ist zum Glück nicht weit.

Im übrigen verstecken wir uns vor ein paar Regenschauern unter der Kuchenbude und vertrödeln faul den Tag. Abwechslung bringt Axels Vorschlag, einen Spaziergang mit Einkehr zum Essen zu machen. Im Restaurant Tre Kroner bestellen wir „Fynsk Æggekage“. Eine Spezialität, bestehend aus gefühlt 20 Eiern, die in einer Pfanne ähnlich wie Rührei im Ofen zum Stocken gebracht werden, darauf frittierter fetter Speck und dazu Rote Bete und Brot, das mit Senf bestrichen wird. Sehr lecker, allerdings mehr als mächtig. Zum Glück haben wir einen Verdauungsspaziergang zurück zum Boot zu absolvieren. Und am nächsten Morgen verkneifen wir uns das Frühstücksei.

 

Freitag, 2. August 2019

Leider kein Sonnenschein. Wenn schon nicht nach Ærøskøbing, wenigstens nach Avernakø. Von Walter und Una haben wir nichts gehört, also motoren wir die vier Meilen nach Avernakø. Der graue Himmel entlässt auf halbem Weg in der Faaborg Bucht einen Regenschauer, und der Wind bläst von vorn.

Aber kaum sind wir angekommen, bessert sich das Wetter. „Nari“ läuft ein und kurz danach hocken wir mit Jörn und Susanne auf einen Klönschnack mit Campari-Orange im sonnigen Cockpit zusammen. Walter und Una melden sich aus Ærøskøbing, sie werden auf jeden Fall bis Sonntag bleiben. Passt also, wenn wir morgen dort einlaufen.

Am Nachmittag kommen die Fahrräder zum Einsatz. Wir radeln mit Jörn die 8 km zur Badebucht bei Rev Trille. Im Hafen von Korshavn lassen wir bei einem Zwischenstopp den Rucksack mit Handy und Portemonnaie liegen. Als wir später am Strand sitzend auf dem Handy nach der Uhrzeit schauen wollen, fehlt der Rucksack mit dem Handy. Schnell zurück, da liegt er noch genauso, wie wir ihn haben liegen lassen.

Den ganzen Abend erleben wir ein Kindertrio der besonderen Art. In Oskar Mazerath´scher Tonfrequenz kommentieren zwei ca. 9 jährige Mädchen dauerhaft und lautstark alles, was sie gerade machen. Beschimpfen sich gegenseitig in höchsten Tönen als A....öcher, machen dem Bruder der Einen die Hölle heiß und nerven zusehends. Alle anderen Kinder hatten sich schon abgewandt. Nach drei Stunden endlich erklingt vom Grillplatz ein mahnendes: „Anna!“, was keine weiteren Konsequenzen hat. Axels Kommentar, es gäbe wohl doch Eltern, wird von unseren Nachbarn lachend konnotiert. Hochfrequent geht es weiter. Der Bruder wird durch den ganzen Hafen verfolgt und zur Rede gestellt, warum er die Krebse ausgeschüttet habe. Er dreht sich kommentarlos um und geht seines Weges und wird kreischend mit Schimpfwörtern verfolgt. Endlich schreiten die Eltern eines Mädchens ein und das Hörspiel ist endlich beendet.

Als wir zuletzt mit Chiara hier waren, hatte man überhaupt nicht gemerkt, dass ein Trupp Mädchen stundenlang Krebse/Krabba geangelt hatte. Nur dass bei Chiara aus Krebsen binnen kurzer Zeit Krabba wurden, weil die anderen Mädchen Däninnen waren.

 

Die dänische Südsee wartet

Leuchtturm Helnæs
Leuchtturm Helnæs

Dienstag, 30. Juli 2019 und
Mittwoch, 31. Juli 2019

 

Kurz vor elf verlassen wir Torø Huse und sind froh, nicht auf dem ursprünglichen Ankerplatz geblieben zu sein. Am Wind segeln wir schnell und entspannt über den flachsten Teil des Torø Rev heraus. Danach ein Vormwindkurs der langsamsten Sorte bei unter 3m/s Wind. Wir kreuzen vor dem Wind, um ein Gefühl von Vorankommen zu haben bis zur zweiten Halse unter Land bei Brunshuse. Kurz gebe ich die Pinne ab um uns von unten Kaffee zu holen und muss, statt diesen gemütlich zu trinken, gleich „arbeiten“ und die Segel dichtholen. Der Wind hat auf West gedreht und aufgefrischt. Nun geht es schnell Richtung Helnæs und weiter, mit 7,5 Knoten halbwinds Richtung Sonderhjorne. Das macht richtig Spaß. In den Lyø Krog heißt es wieder abfallen. Genau vorm Wind ist gefühlvolles Steuern gefragt. Eine Halse auf der Seite von Lyø, die nächste kurz vor Knolden. Jetzt den Überblick behalten im Gewirr der Untiefentonnen, die wichtigen roten Tonnen an Backbord lassen, Segel dicht und hoch am Wind die letzten Kabellängen ab nach Faaborg. Hier werden wir gleich von Bord des Hanseaten „Condor“ mit „Hallo Dasindwir“ begrüßt. Die Erklärung: Manchen Hanseatenseglern ist unsere Webseite bekannt, und damit der Zusammenhang zu „Windspiel“.

Hier in Faaborg, im hiesigen Marineshoppen, würden wir bestimmt einen Kædegripper finden, den es z.B. in Juelsminde und Middelfart nicht gab. (Einen Kettenhaken, um die Ankerkette zu entlasten).

 

Während ich dieses schreibe ist schon Mittwoch, der 31. Juli. Der Marineshoppen gab sowohl einen Kædegripper für „Windspiel“, eine Angel plus Zubehör für Axel und Shorts für mich her und bildete den erfolgreichen Auftakt zu unserem Fahrradausflug. Die Erwerbungen kamen vor allen weiteren Aktivitäten erstmal an Bord. Was unsere Nachbarin zur Frage veranlasste: „Ausflug schon beendet?“

Natürlich ging es sofort wieder los. Die mit Leergut befüllten Packtaschen wurden bei Super Brugsen gelenzt, Geld gekauft und weiter ging es durch kleine Sträßchen zurück ans Wasser Richtung Plough´s Batterier. Der Blick über die Bucht zeigt kleine weiße Wellenkämme, der Regen ist dem Sonnenschein gewichen. Ein Blick in den Himmel zeigt die ganze wettermäßige Unbestimmtheit der letzten Tage. Und so hatten wir Glück, nach Einkehr im Café Magasingaarden noch bei Sonnenschein aber unter bedrohlich sich zuziehendem Himmel wieder an Bord zu sein.

 

Für Donnerstag ist noch Regen angesagt, wieder weniger Wind aus südöstlichen Richtungen. Windfinder verspricht erst für Sonnabend wieder Sonnenschein. Und das jährliche Treffen mit Walter und Una kommt näher. Immerhin machen wir dieses Jahr das Dutzend voll 😊Die Beiden und ihr Sohn Fabian hatten eine stürmisch bewegte Nacht im nach Osten offenen Hafen von Vejrø hinter sich. Schaun mer mal, wo wir uns dieses Jahr treffen.

 

Traumtag - Klappernde Nacht

Vor Anker hinter Torø zum Baden
Vor Anker hinter Torø zum Baden

Montag, 29. Juli

 

Traumtag – klappernde Nacht

Wir wollen früh los, denn gegen Mittag könnte der Wind schon wieder in sich zusammenfallen. Um kurz nach 9 Uhr legen wir ab. Das Ausrollen der Genua will jedoch nicht gelingen. Ich finde den Fehler nicht, also geht Axel aufs Vorschiff. Nochmal Einrollen, nochmal Ausrollen. Und nochmal von vorne. Nach einer Weile höre ich: „Nee wie blöd.“ Das Spifall hat sich um das Vorstag gewickelt. Und sobald das Spifall beim Bergen der Genuapersenning auf der anderen Seite als beim Setzen mit nach hinten genommen wird, ist das Problem da. 

Mit flotter Fahrt halbwinds geht es Richtung Weddelsborg Hoved. Der Wind dreht auf Nordost, kommt achterlich, schwächelt, und verlangsamt unsere Fahrt erheblich. Westlich von Baagø Strom mitlaufend, das bringt uns 1 Knoten Fahrt geschenkt. Und drei Knoten über Grund lässt sich ganz gut an. Langsam nähern wir uns Torø Huse und machen einige Ankerlieger aus. Wir ankern in klarem Wasser auf vier Meter Tiefe, bei herrlichem Wetter, sodass nach dem notwendigsten Aufklaren sofort gebadet wird.

So erfrischt lässt es sich unter dem Sonnenpersenning gut aushalten. Drei Stunden später kehrt Ruhe ein, als unser dänischer Ankernachbar, 3 Erwachsene und 5 Kinder, nach stundenlangem fröhlichen Badefest Richtung Assens aufbricht. Zwei später gekommene Ankerlieger bleiben nicht lange und gehen ankerauf. Der Wind frischt auf und kommt nun aus Nordwest, wir sind nicht mehr von der Landzunge geschützt. Zur Sicherheit schauen wir die verfügbaren Wetterdaten durch. Nordwest, womöglich Nordost drehend, auffrischend bis auf 5 Bft., da kämen die Wellen von weit angelaufen und bescherten uns womöglich eine unruhige Nacht. Schließlich gehen wir abends noch ankerauf und motoren das kurze Stück nach Torø Huse. Eine geschützte Bucht mit Pfählen, an denen festgemacht werden kann. Die Leine links und rechts vom Bugkorb belegt, das verhieß deutliche Vorteile gegenüber dem Ankern. Kein weites Schwoien und keine Gefahr, dass der Anker nicht hält. Wir genossen den Abend, hörten den Rotschenkel rufen und beobachteten den regungslos im Schilf stehenden Reiher. 

Dummerweise briste es nachts auf, unsere Vorleine verfing sich bei jedem Schwoien des Schiffes unter einer Ankerfluke, was dazu führte, dass der Anker jedesmal geräuschvoll sich bemerkbar machte. Schlafverhindernde Geräusche, wenn man im Vorschiff liegt. Das Problem konnte mit Entfernen des Ankers behoben werden, nun schubberte nur noch die Leine über die Fußleiste, wenn wir hin- und herschwoiten. Als das Geräusch endlich vom Unterbewusstsein als ungefährlich eingestuft wurde, konnten wir ruhig weiterschlafen. 

 

Stor und Lille Fadøl

Alter Hafen in Middelfart
Alter Hafen in Middelfart

Sonnabend, 27. Juli bis Sonntag, 28. Juli 2019

 

Heute, am Sonnabend, sollte es tatsächlich kräftig wehen, 5 – 6 Bft. aus Ost. Alles bei herrlichem Sonnenschein. Am späten Vormittag briste es merklich auf. Wir holten die Fahrräder aus der Achterkammer und unternahmen eine Ausfahrt nach Middelfart. Ein kurzes Stück entlang des Østersø- Radwegs, dann durch das ehemalige Klinikgelände Tegelgardsparken nach Middelfart hinein. Am Sund wandten wir uns zunächst Richtung neuem Rundhafen, der allerdings immer noch wenig attraktiv anmutet. Viele Neubauten sind an der „water front“ entstanden, Weiteres in Planung. Die alten Strandhäuser verschwinden nach und nach, um Platz zu machen für Glaskasten- Einerlei.

Vor einer Einkehr im Café Razz statteten wir dem Stadthafen noch einen Besuch ab.

Einige Traditionssegler lagen dort, u.a. der wohl bekannteste, der Marstalschoner „Fulton“. 

Im Café Razz orderte ich an der Bar unsere Erfrischungsgetränke. Wenig vertraut mit den dänischen Maßeinheiten bei Bier bekam Axel ein „stor“, ich ein „lille“ Fadøl. Nur ist „stor“ eben nicht wie bei uns ein Halber, sondern gleich ein Dreiviertel Liter. Sehr tapfer hat er diese Herausforderung bewältigt. Siehe Fotos.

Nach Erledigung der notwendigsten Einkäufe radelten wir zurück Richtung Hafen. Nicht ohne zweimal per Hupe auf unser Fehlverhalten im Straßenverkehr aufmerksam gemacht zu werden. Links abbiegen darf man nicht, indem man sich links einordnet. Und im verlassenen Tegelgardsparken darf man nicht nebeneinander fahren, wenn ein Motorrad genauso viel Platz zum Überholen beansprucht wie ein LKW. Offenbar gibt es nicht nur beim Bier uns bisher unvertraut gebliebene Unterschiede...

 

Amtliche Hitzewarnung für Hamburg

Ein luftiges Vergnügen- Bridge- Walking über die Kongebro
Ein luftiges Vergnügen- Bridge- Walking über die Kongebro

Mittwoch 24. Juli bis Freitag 26. Juli

 

Hat es das in jüngster Vergangenheit schon einmal gegeben? Die App des Deutschen Wetterdienstes meldet eine „Amtliche Hitzewarnung“ für Hamburg? Oder haben wir im letzten Jahr diese Warnung nicht mitbekommen? Egal. Am Mittwochmorgen geht es am späten Vormittag ankerauf . Die See spiegelglatt, fast ölig, kein Hauch Wind und karibische Temperaturen. Aus der Sandbjerg Vig in wenigen Minuten in den Juelsminder Hafen motort und sofort einen freien Platz gefunden. Das Glück der frühen Ankunft. Erst einmal „Schatten“ mit unserer luftigen Segeltuchplane gebaut. Im Verlauf des Tages wird ein Hauch Wind spürbar, der uns jedoch nicht so weit abzukühlen vermag, dass wir ein nachmittägliches Bad gleich nebenan ausschließen. Kein Tag war bisher verlockend genug, das Anbaden durchzuziehen. Unser Badethermometer sagte für gestern 16° Wassertemperatur in der Sandbjerg Vig. Vor der Erfrischung dort hielten uns eine Vielzahl lauernder Feuerquallen ab. Zum Glück gab es davon keine am Strand, dafür Erfrischung und Kühle bei immerhin 18°. Der Wärme angemessen auch das heutige Abendessen: Frische Reijer/Grönlandkrabben zum Selbstpulen (pil selv) von Juelsminde Fisk mit Salat und Brötchen.

 

Am Donnerstag entschieden wir uns zu bleiben. Im Laufe des Vormittags briste der Nordost merklich auf. Nach einem kleinen Spaziergang zum alten Fährhafen belohnten wir uns mit einem Eis. Die Pläne für das Abendessen wurden dank des überbordenden Angebots im Fischladen erleichtert. Für frische Nudeln nahmen wir den weiteren Weg zum besser sortierten Super Brugsen in Kauf und kamen schwer bepackt mit frischen Fettucine und 8 Liter Wasser in Flaschen und einem Brick Wein zurück. Der Wind hatte wieder merklich nachgelassen. Die Hitze war zurück. Noch um 19 Uhr lockte das erfrischende Bad und eine Dusche. Bei inzwischen angenehmen Temperaturen verspeisten wir im Cockpit sitzend den Lachs in Zitronen-Sahnesauce mit Dill, den frischen Nudeln und grünen Salat, bis wir die ersten Sterne funkeln sehen.

 

Am Freitag war die grobe Richtung klar. Wir wollen wieder Richtung Süden. Bei der vorherrschenden Windrichtung, Nordost, und Aussichten auf  mehr Wind für Sonnabend und Sonntag könnte es durchaus noch einmal Middelfart werden. Der Hafen, der uns in den letzten Jahren häufig bei Schietwetter oder zu viel Wind anlaufen ließ.

Mit halbem Wind an Bjørns Knude vorbei wurde deutlich, dass wir genau vor dem Wind in den Kleinen Belt segeln müssen. Bis Kasserodde Flak ging das bei 3-4- Bft so leidlich. Die G III stand die meiste Zeit von allein im Luv vom Großsegel, das Wasser war glatt. Anfangs sah es so aus, als hätten wir leicht mitlaufenden Strom. Dem war leider nicht so. Tragten empfing uns mit bis zu 3 Knoten Gegenstrom und entsprechend kurzer hackiger Welle. Bei jeder Welle kurz vor einer Halse stehend konnten wir den Leuchtturm Strib gerade anliegen. Wie viele rollten auch wir die G III ein. Sie machte die Bewegungen in den Wellen nur noch chaotischer. Eine kurze Schrecksekunde, wir wickelten die Schot mit ins Segel. Das konnten wir zum Glück schnell klarieren. Insgesamt ein Gefühl wie auf der Elbe im Brokdorfer Bogen bei Wind und Gegenstrom. Bis zu 8 Knoten auf einer Welle durchs Wasser gerauscht und gerade mal 4 Knoten über Grund. Das zog sich. Die entgegen kreuzenden Schiffe hatten alle ordentlich gerefft und stampften heftig durch die See. Bei Kasserodde Flak erwartete sie wieder ruhigeres Wasser. Der Wind blieb bei 5-6 Bft. Er begleitete uns nach den beiden Brücken mit zwei Kuhwenden bis nach Middelfart. Im Mittel mit guten 7 Knoten durchs Wasser und 4-5 Knoten über Grund. 

Spektakulär anzusehen war das Bridge- Walking über die Kongebro. Hoch oben über den Quertraversen der Brücke standen aufgereiht wie Spatzen ca. zwei Dutzend Menschen und genossen den Weitblick über Land und Meer. Ein besonderes Touristenvergnügen.

 

Das Dauerthema Elbvertiefung beschäftigt uns auch im Urlaub. Minister Scheuer eröffnet am 23.07.2019 offiziell die 9. Elbvertiefung. Normalerweise wird etwas Fertiges eröffnet. Unser Minister Scheuer eröffnet ein Fass ohne Boden? Besser sollte er sich mit Flaschenöffnungen beschäftigen. Und schon gehen die (bodenlosen) Forderungen der Hafenwirtschaft nach einer weiteren Elbvertiefung/verbreiterung los. Wann wird dieser Wahnsinn endlich gestoppt? Milliarden wurden für die fragwürdigen Schiffsfinanzierungen der HSH- Nordbank verfeuert. Das trifft ja nur den Steuerzahler und die Trottel, die diesen Finanzierungsprodukten auf den Leim gegangen sind. Schon jetzt wird die Elbe für gut 100 000 000 € jährlich auf Tiefe gehalten. Und nach der 9. Elbvertiefung? Wo ist in den letzten 15 Jahren die lauthals gepriesene Erhöhung des Containerumschlags in Hamburg geblieben? Was, wenn die Wirtschaft sich weiter so unsicher durch die Aktivitäten von den Regenten in USA, China und Russlands entwickelt? Zusammenfassendes zum Thema auf NDR

Wassersportler und Fischer protestierten gegen die 9. Elbvertiefung. Siehe Foto.

Und ein Beitrag zur Kreuzfahrtindustrie aus der ARD- Mediathek

Unsere Kreuzfahrt mit "Windspiel" ist dagegen sparsam mit den natürlichen Ressourcen ausgekommen. Ca. 30 Liter Diesel für die Maschine, 5 kg Propangas zum Kochen und 50 (?) kWh Landstrom zum Batterie und Akkuladen und teilweise zum Kochen. Der Wind ist zum Glück noch umsonst. Vielleicht sollte man Minister Scheuer zu einer Windmaut ermutigen? Übung hat er ja für Maut- Unsinn aus seinem Ministerium. 

 

Segeln wie am Schnürchen

Morgendämmerung in der Sandbjerg Vig- 04:00 Uhr
Morgendämmerung in der Sandbjerg Vig- 04:00 Uhr

Dienstag, 23. Juli 2019

 

Schon frühmorgens lacht die Sonne durchs Vorluk. Das lange angekündigte gute Wetter setzt sich die nächsten Tage durch. Die besten Voraussetzungen um weiter zu segeln. Das Ablegeprocedere verlängern wir heute mit Auffüllen des Wassertanks und einer mittelmäßig gründlichen Reinigung des Teakdecks. Mit bestem Segelwind geht es an Middelfart, Strib und Fredericia vorbei. Wie am Schnürchen spult Windspiel Meile um Meile ab. Irgendwann fällt die Entscheidung, in der Sandbjerg Vig bei Juelsminde zu ankern. Dicht am Ufer fällt der Anker bei 8m Wassertiefe, hält sofort, auch mit Vollgas rückwärts. Es ist noch recht böig mit bis zu guten 5 Bft. Der Westwind treibt die Beschleunigungsorgien lebensmüder Motorradfahrer lautstark über die Bucht. Mehr als eine Minute kann man sie teilweise noch hören. Gegen Abend wird der Wind und auch der Krach weniger, und beim Gang in die Koje liegen wir in einem Ententeich. Die Ankerkette zeigt senkrecht nach unten.

Zum Abendessen gab es heute eine der beiden Aldi- Notrationen- den Kötbullar Topf. Mit 8 Hackklößchen und Kartoffeln in einer farblich interessanten Soße. Verlängert mit einer Extra- Portion Reis mit Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten und zur Abrundung des Geschmackserlebnisses einem frischen Gurkensalat.

Axel philosophiert über die Geschmacksvarianten von Dosenfutter für menschlichen Genuss. Allen gemein ist ein salzig- brühiger Grundgeschmack. Für die geschmackliche und verdauungsmäßige Einordnung der Qualität der einzelnen Sorten ist vor allem die Stärke und Frequenz der produzierten Flatulenzen ausschlaggebend. Aus der Erinnerung war der serbische Bohneneintopf eindeutiger Sieger. Ravioli aus der Dose dagegen standen früher an der Spitze der Nahrungskette und gehörten kalt oder warm genossen zum Grundnahrungsmittel eines jeden Kutterseglers. Unser Freund Hermi fährt traditionell mit einer Dose Ravioli auf Sommertour. Auch wir machen es ihm dieses Jahr nach. Unsere zweite Notration ist eine Dose Ravioli. Das alles auch ein Grund, warum Axel so gerne und gut an Bord kocht.

Rythm´N Blues und Rock´n Roll

Zur Begrüßung im Snævringen- Schweinswal und Möwe
Zur Begrüßung im Snævringen- Schweinswal und Möwe

Freitag 19. Juli bis Montag 22. Juli

 

Eine ruhige Nacht liegt hinter uns. Grau der Morgen, Westwind in der Luft. Die meisten Ankernachbarn sind schon unterwegs, bis auch wir den Anker lichten. Gemütliches Dahingleiten vor dem Wind, vorbei an Barsø, der Wind wird schwächer.

Nun müssen wir endlich mal die JBL Extreme 2 Bluetooth- Box in Betrieb nehmen. Passt heute zur Stimmung, lauten Rock´n Roll und Rhyth´m und Blues mitten auf dem Meer zu hören. Aber irgendwann ist auch genug. Vor dem Årøsund ist es soweit - Mucke aus. Die Stones, Joe Cocker, Rod Stewart, The Who, U2, Otis Redding, Eric Clapton u.a. gehen schlafen. Wir wollen wieder den Wind hören, der uns halbwinds und zügig durch den Sund führt. Nach der schnellen Passage schwächelt der Wind im nördlichen Kleinen Belt. Mal mehr mal weniger, mal mit 6 Knoten, mal mit 2 Knoten ging es vorwärts. Ein Kreuzschlag war bei Brandsø vonnöten. Die letzte Meile bei Sonnenschein liefen wir die Middelfart Marina an.

Später dann den Hafenimbiss, der ein halbes Hähnchen und ein paniertes Schnitzel mit Pommes im Angebot hatte. Das war ganz okay.

Drei Tage Pause folgten. Ein Tag war geplant, der zweite vom Winde verweht und der dritte begoss uns stundenlang von oben. „Janna“ verbrachte ebenfalls die drei Tage in Middelfart, was, wie immer in solchen Fällen, wenigstens zu Besuch und Gegenbesuch einlud. Einmal gab es Kaffee und Kuchen und Weißwein beim Gegenbesuch. Dazu gehören altbekannte Geschichten, neue Erkenntnisse, bisher nie Gehörtes und natürlich auch Neues aus Blankenese. Wat man halt so alles schnackt.

Die freie Zeit, der Fischladen am Hafen und der Kvickly lieferten Leckeres für die Bordküche. Dorschfilet in Zitronen- Sahnesauce mit frischen Kartoffeln. Am Sonntag Öko Rib-Eye Steak von handgestreichelten Kühen mit frisch gepalten Erbsen und natürlich Wurzeln und Kartoffeln.

apenrades Steckdose

Wrack am Ufer der Dybvig in der Genner Bucht- 2019
Wrack am Ufer der Dybvig in der Genner Bucht- 2019

Mittwoch 17. Juli und Donnerstag 18. Juli 2019

 

In aller Herrgottsfrühe „schlichen“ sich Schultz und Schulz davon. Axel meinte im Schlaf das unverkennbare Tock- Tock des MD 7a von Greif IV an unserem Heck gehört gehört zu haben, weil Lothar sich noch verabschieden wollte. Später kam eine Mail von Jette, man sei in Apenrade. Dort waren wir auch noch nie. Irgendetwas muss doch an Apenrade dran sein, dass es Familie Schul(t)z immer wieder dorthin zieht. Das wollten wir heute in Erfahrung bringen. Im Alsenfjord entwickelte sich ein laues Lüftchen aus vornehmlich westlichen Richtungen. Unser kontemplatives Kreuzen begann. Anfangs noch ein wenig verhalten, bewegte sich Windspiel mit 3,5 Knoten bei 2,5 m/s Wind fort. Die Sonne schien und bei gut 3 m/s Wind knackte Windspiel dauerhaft die 5 kn Marke. Die Leichtigkeit, mit der Windspiel dahinzog, löste augenblicklich große Freude aus. In der Ferne kreuzte, wie sich später herausstellte, eine Rassy 35. Die holten wir recht zügig ein, um kurz vor der Hafeneinfahrt von Apenrade zeitgleich die Segel zu bergen und gen Hafen zu motoren. Der Däne voraus, folgten wir im Kielwasser. Weil wir davon ausgingen, dass er die Abkürzung über die Untiefe kennt. So war es auch. Ein kleiner Schreck noch, als er vor der Hafeneinfahrt hart nach Backbord abbog. Er wollte aber nur mit einem auslaufenden Kumpel schnacken.

Im Hafen stand die Luft, und ein semigeglücktes Anlegemanöver brachte uns schlussendlich zu Fuß in die City von Apenrade, um zu eruieren, was an Apenrade so anziehend ist. Wir fanden die von dänischen Städten allseits bekannte und verkehrsberuhigte Einkaufsstraße. Alle einschlägigen Läden reihten sich aneinander: Imerco, Kop&Kande, Inspiration, Wagner, Toj Experten, Intersport, Fætter BR und weitere. Abgewechselt von Döner- und Falafelbuden, kleinen Damenmodegeschäften, Friseuren, einem exquisiten Wein-und Teehandel, einer Apotheke und mehreren Optikern. Wir kehrten unweit des Rathauses in das sonnenschirmbeschirmte Café Butler ein. Diese Lokale machen für uns einen großen Teils des Charmes dänischer Lebensqualität aus. Man sitzt zwanglos im Freien, sucht sich eine leckere Kleinigkeit aus der Snackkarte und bestellt dazu ein Øl oder ein Glas Vin. Det er dejlig.

Am Abend wollten wir endlich von Schulz und Schultz erfahren, was sie an Apenrade so lieben. Nicht ohne vorher am gemeinsamen Pfannkuchenessen teilnehmen zu dürfen. Der Abend verlief mit vielen Geschichten aus Bärbchens Leben, von zum Beispiel zwei auf unterschiedlichen Wegen „zugelaufenen“ Kindern.

Des Rätsels Lösung, warum man so gerne nach Apenrade fährt, ist die Außensteckdose am Hafenrestaurant. Wer Kurt Schultz´ Familie kennt, weiß, dass sie durch einen starken Familienzusammenhalt geprägt ist. Obendrein sind fast alle auch Segler geworden und die Sorge aller Schul(t)zen um die Jüngsten steht an erster Stelle. Also ist es nur logisch, auch gemeinsam mit Booten auf Reisen zu gehen. Da kommt gut und gerne eine Fußballmannschaft nebst Ersatzspielern zusammen. Die wiederum müssen mit Nahrung versorgt werden. Am besten alle zusammen. Und wie? fragt Ihr Euch. Mit einer Steckdose im Freien, an die eine Induktionsplatte angeschlossen wird. Die hafeneigenen Partytische werden zusammengeschoben, Jette rührt eine Waschschüssel voll Pfannkuchenteig an und am Ende sind alle satt und glücklich. Der Großabwasch wird gleich um die Ecke in der Küche des Vereinshauses erledigt.

Ach ja, ich vergaß. Natürlich sind auch alle namhaften Schiffsausrüster, wie Fakta, Aldi und Lidl, ebenso eine Eisdiele und eine Tankstelle mit Morgenbrød fußläufig erreichbar 😉.

 

Am Donnerstag kreuzten wir, anfangs mit Flaute, und später mit der Vorhersage diametral entgegengesetztem Wind in die Genner Bucht. Jetzt liegen wir in der Ausbuchtung namens Dybvig wieder vor Anker. Zwei Trottellummen erspähten wir im Apenrade Fjord und hier bewachten ein Habicht und ein Bussard die Ankerbucht. Zum Vergleich ein Foto des Wracks am Ufer aus 2010. 

Nordborg- alle in Ferien?

Buchenallee im Park von Schloss Nordborg
Buchenallee im Park von Schloss Nordborg

Montag, 15. Juli 2019 und Dienstag, 16. Juli 2019

 

Gut geschützt und ruhig verbrachten wir die Nacht von Sonntag auf Montag vor Anker, trotz Wind. Gut gefrühstückt ging es um kurz nach halb elf ankerauf, wir motorten das kurze Stück in die Dyvig Badelaug und fanden einen schönen Liegeplatz mit dem Bug zum Wind. Der Tag blieb grau und kühl, wie schon der vorherige. Am Nachmittag klarte es auf, aber erst zum Abend ließ sich die Sonne blicken. Schultz und Schulz hatten wie geplant ihre Flohmarkttour nach Nordborg unternommen.

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Reise nicht fort, wir bleiben noch einenTag. Der graue Morgen wich bald einem sonnigen Vormittag. Wir schnallten uns unsere Rucksäcke um und bestiegen, zufällig gemeinsam mit Jette und Bärbchen, den Bus 709 nach Nordborg. Dort waren wir noch nie – und wie auf Ærø ist auch auf Alsen die Bustour kostenlos. In Nordborg trennten wir uns von Jette und Bärbchen und bogen ab in die Einkaufsstraße von Nordborg. Von Einkaufsgetümmel konnte keine Rede sein. Kaum Menschen unterwegs um 11 Uhr vormittags. Viele Geschäfte geschlossen oder gar nicht mehr betrieben. Bevor Enttäuschung um sich griff, erblickten wir das Schloss, umgeben von Wasser und einem schönen Park. Hinter dem Schlosshof erstreckt sich eine weite Rasenfläche, geteilt durch eine Buchenallee mit altem Baumbestand. An deren Ende der Schlossteich und viele alte Bäume mit dicken Ästen, die  sich erstaunlich tief zum Wasser neigen. Bei einigen Bäume wuchsen schon die Stämme auf halber Höhe gen Schlossteich. Der Schwerpunkt der heutigen Bilder ist der Schlosspark.

In der anderen Richtung der Storegade befindet sich ein alter Wasserturm und nicht weit davon eine schöne weiße Kirche. Eine Besichtigung derselben konnten wir leider nicht vornehmen, da gerade ein Beerdigungs-Gottesdienst stattfand. Im „Zentrum“ stillten wir unseren Durst im Restaurant „Friends“. Axel bestellte sich ein „Jacobsen“-Bier. Die Frage, ob dies ein helles Bier sei, wurde bejaht. Kredenzt wurde allerdings eine Art Guinness, sodass ich helfen musste, es auszutrinken. Den eigentlichen Durst stillte das Eiswasser mit Zitrone.

Unsere Bord-Vorräte mussten aufgestockt werden. Da traf es sich gut, dass direkt neben der Busstation ein Kvickly uns mit allem Notwendigen versorgte.

Zum Abendessen hatte Axel die Idee, unsere Lammkoteletts auf dem großen Gemeinschaftsgrill zuzubereiten. Spart den Einsatz von Pfanne und den Abwasch derselben. Auf diese Weise lernten wir ein sehr nettes dänisches Ehepaar kennen, das uns gleich in dem gut belegten Zelt an ihren Tisch winkte und uns nach unserem Lammkotelett mit Taboulé-Salat und gegrillten Tomaten mit Schafskäse zum Nachtisch mit zuckersüßen Erdbeeren versorgte. Erstaunlich zu beobachten, dass sich im Zelt und diesem Grill außer uns nur Dänen aufhielten, die Deutschen belegten einen anderen Grill auf einer mit Tischen und Bänken ausgestatteten Plattform am Wasser. 

Wir verbrachten jedenfalls einen ausgesprochen kurzweiligen und angenehmen Abend in sehr netter Gesellschaft.

Sportlich in die Dyvig

Viel zu viele Masten, um nach einem Liegeplatz zu suchen
Viel zu viele Masten, um nach einem Liegeplatz zu suchen

Sonntag, 14. Juli 2019 und Montag, 15. Juli 2019

 

Der Wind soll erst gegen Mittag auf West drehen. Frühes Ablegen hätte keinen Sinn gemacht. So kamen wir sogar am Sonntag zu warmer Leberpastete zum Frühstück.

Es war mal wieder grau. Kurz nach der Hafenausfahrt setzten wir die Segel und mit einem Holeschlag segelten wir hoch am Wind Richtung Flensburger Förde. Wendeten, nachdem wir Sonderborg anliegen konnten. Mit einem leichten Schrick in den Schoten brauste Windspiel dahin, dass es eine Freude war. Das Nadelöhr in Sonderborg ist die Kong Christians X. Bro. Wann macht die eigentlich auf? Uns kamen jedenfalls jede Menge Segler entgegen. Fock weggenommen und mit dem Groß in den Stadthafen zur Brücke gesegelt. 14:38 Uhr, eine gute halbe Stunde bis zur nächsten Öffnung. So segelten wir sinnig mit dem Groß auf und ab, um die Brücke pünktlich mit Maschinenhilfe zu passieren. Warum ein Entgegenkommer der Meinung war, dass er schnell noch als Dritter neben zwei anderen Schiffen die Brücke passieren muss? Man muss es nicht verstehen, aber es treibt einem schon die Schweißperlen auf die Stirn, vor allem, wenn das Großsegel noch oben ist.

Kurz hinter der Brücke rollten wir wieder die Fock aus, Maschine aus und dem Motto folgend: zwei Schiffe bilden eine Regatta.

„Rubber Duck“ eine X 332 aus dem SCOe folgte uns im Kielwasser. Das kann doch nicht sein! Also ging das Zuppeln an den Schoten los. Sie war nicht abzuschütteln, und kurz vor Ende des Alsenfjordes überholten sie uns in Lee. Was für eine Schmach. Chrissie war der Meinung, wir hätten die Segel die ganze Zeit über immer zu dicht gefahren. Ich hatte den Eindruck, dass schnelles Fieren und Dichtholen der Fock uns langsamer werden ließ. - Werden wir mal einen Experten befragen.

Im freien Wasser des Alsenfjordes ging das Regattieren weiter. Obwohl wir uns in Luv von „Rubber Duck“ wieder herangearbeitet hatten, konnten wir deren Höhe nicht ganz halten. Ihnen kurz zugerufen, dass es Arbeit mache, zu regattieren, wurde lachend beantwortet mit, das Kurbeln würde aber die Muskeln kräftigen und einen warm halten. Also Abfallen, hinten herum und einen eigenen Rhythmus finden. Das gelang aufs Beste. Nach dem ersten Kreuzschlag lagen wir schon zwanzig Meter vor ihnen. Die Ecke bei Hardeshøj konnten wir anliegen und „Windspiel“ rannte hoch am Wind dahin, dass es eine Freude war. Einlaufend in die Stegsvig hatten wir unserem Konkurrenten (?) ordentlich Strecke abgenommen. Axel war´s zufrieden.

Anlegen war wieder passé, wir ankerten mit mehreren anderen in Lee der Nordküste in der Dyvig.

Schulz und Schultz - Kuttel daddeldu und Greif IV

Greif IV auslaufend Hørup Hav
Greif IV auslaufend Hørup Hav

Freitag, 12. Juli und Sonnabend, 13. Juli 2019

 

Die Nacht blieb erwartungsgemäß ruhig. Am nächsten Morgen blickten wir auf spiegelglattes Wasser. Wieder hatte es geregnet. Mit einem Joghurt im Bauch und der Aussicht auf frische, warme Leberpastete zum Frühstück gingen wir ankerauf und motorten eine knappe Meile in den Hafen von Hørup Hav. Kurz darauf lief auch Familie Schultz und Schulz ein. Auch Jette stand der Sinn nach Leberpastete. Später am Nachmittag saßen wir bei Kaffee und Keksen bei Bärbchen auf "Kuttel Daddeldu" zusammen, abends kamen Bärbchen und Jette noch auf ein Gläschen Wein vorbei.

Morgen gemeinsamer Hafentag, dann vielleicht mit identischem Ziel Dyvig am Sonntag weiter. In Dyvig gebe es kostenlosen Bustransfer nach Nordborg und dort viele Geschäfte, vor allem Second Hand und Antiquitäten zum Stöbern und für Schnäppchen. Allein Jette hat 27 Kinder, Enkel und Verwandte auf dem Zettel, die Weihnachten beschenkt werden wollen. Daran kann man nicht früh genug denken. Alle anderen machen die Erfahrung: „Weihnachten kommt immer so plötzlich!“

2 Nächte vor Anker

Sonnenaufgang im Wormshöfter Noor bei Maasholm
Sonnenaufgang im Wormshöfter Noor bei Maasholm

Mittwoch, 10. Juli 2019

Heute geht es weiter. Sonnenschein. Moderater Wind, zwischendurch auch mal gar keiner, sodass wir die Segel sogar ganz strichen und die Maschine für Vortrieb sorgte. Schon kurz darauf war der Nordwest zurück. Frisch aufgebrist brachte er uns mit 4 Kreuzschlägen bis vor Schleimünde. Obligatorisch die Frage, wohin? Maasholm, Kappeln oder Ankern? 

Die Entscheidung fiel auf die letzte Variante: Ankern. Gleich hinter der Modersitzki-Werft im Wormshöfter Noor fiel der Anker auf 2,20 m Wassertiefe. Kein Getüdel, kein Platzgesuche, keine Leinen, keine Fender. Einfach per Fernbedienung und dank Kettenzählwerk die richtige Länge Ankerkette ausbringen, den Haken kurz in den Grund einfahren und in völliger Ruhe entspannen und den Rest des Tages genießen.

 

Donnerstag, 11. Juli 2019

Nachts hatte es geregnet, das Cockpit nass. Also ins Ölzeug, als wir gegen halb elf ankerauf gingen. Wind aus Südost, Segel gesetzt und Kurs Richtung Schleimünde genommen. Wieder einmal sollte uns der Wind das Ziel weisen. In Schleimünde erspähten wir noch „Greif IV“ und „Kuttel Daddeldu“. Falls es Hørup Hav wird, würden wir Familie Schultz und Schulz sicherlich dort treffen. Wir kamen zunächst langsam voran. Mit dem jetzigen Südwest kreuzten wir vor dem Wind, damit die Segel stehen und hofften auf eine Winddrehung nach West. Nach einer Halse kamen wir auf diese Weise auf dem anderen Bug schon ganz gut voran. Als nach einiger Zeit der Wind auf West drehte wurden wir mit Halbwindskurs richtig schnell. Leider war der wenige Sonnenschein bald wieder grauen Wolken gewichen. Beim Passieren der rotweißen Ansteuerungstonne in der Flensburger Förde, die gleichzeitig die deutsch-dänische Grenze markiert, setzten wir die „Margarethe“, die dänische Gastlandsflagge. Als Begrüßungsschluck wurde Portwein gereicht. Die Wolken entließen die ersten Regentropfen. Sonderborg oder Hørup Hav? Hafen oder Ankern? Wir entschieden uns für eine weitere Nacht vor Anker. Ein schneller Kontrollblick auf Wind und Richtung bei Windfinder ließ eine ruhige Nacht erwarten. Geschützt vor West, Südwest, Südostwind fiel der Anker. Die grauen Wolken und Dunst blieben im Westen. Bei nur ganz wenig Wind wurde es richtig warm. Wieder umfing uns Ruhe und Natur. Austernfischer stießen von Zeit zu Zeit im Überflug ihren typischen Ruf aus und in der Ferne meldete sich ein Esel zu Wort. 

Hafentage in Laboe

Dreierlei Fischbrötchen aus der Fischküche Laboe
Dreierlei Fischbrötchen aus der Fischküche Laboe

Freitag, 5. Juli bis Dienstag 9. Juli 2019

 

Wir blieben in Laboe bis einschließlich des kommenden Dienstags. Der Sonnabend mit Regen und viel Wind.

Die übrigen Tage ebenfalls viel Wind aber sonnig.

Täglich Spaziergänge, mal ein Bierchen und Wein nebst Fischbrötchen oder einem kleinen Teller Garnelen in der Fischküche. Hermi und Karin besuchten uns am Sonntag zum Klönen und Kaffeetrinken.

Zum Einkaufen muss man ja auch immer mal und der Weg zu Edeka wurde ein ausgedehnter Spaziergang. Zum Glück erwischten wir den Schnellbus Richtung Laboe auf der Rücktour.

Zum Abschluss ein gemeinsamer Abend mit der Besatzung von „Janna“ (Christian, Martina, Martinas Freundin Sabrina und Christians Schwester Helga) bei einem Open-Air-Shanty-Konzert nebst Weindorf. Eigentlich viel zu kalt um Wein zu trinken. Dennoch oder trotzdem:  Aus voller Kehle sangen wir im Schutze eines Weinstandes das gesamte Repertoire des Chores mit.

So wurde uns über die Tage die Zeit nicht lang.

Wie es "Dasindwir" zwischenzeitlich erging

"Dasindwir" in Nyborg. Neben einem von Kim Haugaard gebauten Aluminumschiff
"Dasindwir" in Nyborg. Neben einem von Kim Haugaard gebauten Aluminumschiff

Freitag, 5. Juli bis Dienstag 9. Juli 2019

 Wie der geneigte Leser schon weiß, ist "Dasindwir" zwischenzeitlich in Nyborg angekommen und wartete auf Kim, der das Want erneuern sollte. Gesellschaft und Zuspruch gab es von der Crew der "Compasrose“.

Kim Haugaard überzeugte Peter auf der ganzen Linie. Er schrieb per Whatsapp „Kim repariert es, als wenn du es nie mehr anders gehabt haben wolltest.“ Und „Unser Dank gilt Kim Haugaard, der in seinem Urlaub an „Dasindwir“ rumgedengelt hat.“

Also konnte es weitergehen und nicht wie ursprünglich geplant mit einer Notreparatur Richtung Heimat. Gemeinsam mit „Compasrose“ ankerten sie anderentags in Lee von Femø. Dann trennten sich ihre Wege. „Compasrose“ durch den Grønsund Richtung Schweden. „Dasindwir“ durch den Ulvsund bis um die Ecke bei Kalvehave, um auch dort zu ankern. Das Wetter war nicht so berauschend, Wind von vorn, Regen von oben und Strom gegenan. Dann reißt auch noch eine blöde Makrele die Schleppangel ab. Hat wohl das Prinzip nicht verstanden.

 

Rendsburg - Laboe

Hafenmeisters Refugium in der BB-Marina
Hafenmeisters Refugium in der BB-Marina

Freitag, 5. Juli

Wieder ein kühler Morgen. Ins Ölzeug geschlüpft; mit Funktionsunterwäsche hält es am besten warm.

Abgelegt unter Zuhilfenahme der Mittelklampe des dänischen Nachbarn. Der Kaffee schmeckt und kurze Zeit später auch das Käsebrötchen mit kaltem Ei von gestern. Irgendwie zünftiger als am gedeckten Frühstückstisch, auch wenn das Brötchen vom Nieselregen angeweicht wird.

Auf halber Strecke die obligatorische Überlegung: Wo fahren wir heute hin? Mit ordentlich Wind und Regenschauern würde uns die Förde erwarten. Strande wird verworfen, wahrscheinlich randvoll, weil der Rückstau der auf die Ostsee strebenden Segler zuerst die beliebten Häfen füllt. Nehmen wir also die Baltic Bay Marina in Laboe. Ist ja auch ein nettes Örtchen, in dem man es ein paar Tage aushalten kann. Der Hafen groß genug, um ein freies Plätzchen zu ergattern. Denkste- nach einer Hafenrundfahrt und dem bedauernden Kopfschütteln uns entgegenkommender Boxensucher und der Botschaft "alles  belegt", befiehlt Chrissie: "Fahr da hinten in die Ecke. Da ist eine Lücke zwischen den Masten! Frei oder Motorboot." Tatsächlich, direkt vor Hafenmeisters Büro, ein Ausleger fast so lang wie "Windspiel", und das Schild auf grün!

Erst mal nichts falsch gemacht auf D7. Beim Bezahlen wies uns der Hafenmeister aber ein unserer Schiffsgröße angemesseneres Plätzchen zu. Nicht weit entfernt wurde Platz D31 gerade geräumt und wir verholten umgehend. Dort lagen wir windgeschützt in Lee und im Schatten zweier stattlicher Motorboote.

Abends steuerten wir die Fischküche Laboe an, um fast vor zwei bratpfannengroßen Backfischfilets zu kapitulieren. Obwohl der Laden rappelvoll war und wir einige Zeit warten mussten, entschädigt einen die geschäftige Atmosphäre und die Freundlichkeit des Personals. Pappsatt erreichten wir unsere Koje.

 

kurze Umfuhr - 20 Kilometer NOK

Das obligatorische Brückenselfie. Diesmal aus anderer Kameraperspektive
Das obligatorische Brückenselfie. Diesmal aus anderer Kameraperspektive

Donnerstag, 4. Juli

Die Wettervorhersage spricht, ähnlich wie in den letzten Tagen, von viel Wind auch auf der Ostsee 😟. Also ist unser Plan, die Kanalfahrt ein wenig auszudehnen.

Die Kanalgebühr zahlen wir beim Gieselauer Schleusenmeister. Damit sparen wir uns das lästige Anlegen an einer der Bezahlstellen in Holtenau. Der Stempel: "nur 3 Tage gültig" wird noch schnell auf die Quittung gedrückt und Schiffsdaten und -name elektronisch erfasst.

"3 Tage gültig": Die Kanalverwaltung glaubt tatsächlich allen Ernstes, dass das Gros der Kanalfahrer tagelang Urlaub im NOK macht und immer hin und her fährt. Das muss man natürlich nach Einführung der Bezahlautomaten auf jeden Fall verhindern. Auf die vielversprochene Bezahl- App werden wir aus Datenschutzgründen noch lange warten müssen.

Eine schriftliche Eingabe der Gruppe Nedderelv gegen diese hanebüchene und gesetzlichen Regeln widersprechende zeitliche Beschränkung einer Gebühr für eine offizielle Dienstleistung wurde beantwortet mit: sie werde noch geprüft und zu gegebener Zeit entschieden. Seit letztem Jahr lässt sich die Direktion der WSA Zeit für ihre Prüfung. Zum Glück wird die Prüfung der ordnungsgemäßen, also im Zeitrahmen befindliche Entrichtung der Kanalabgaben vom Schleusenpersonal großzügig gehandhabt. Wir dürfen über die Rettungsleitern nicht mehr auf die Schleuse und logischerweise das Personal auch nicht herunter. Wenn man gefragt wird, zeigt man also seinen Zettel, der nur von Ferne in Augenschein genommen wird. Hauptsache er ist grün, wenn er handschriftlich in Brunsbüttel oder im Gieselaukanal ausgestellt wurde. Oder weiß in der Größe eines Kassenbons, wenn er aus dem Automaten kommt. Ob man die große Zahl bezüglich der Schiffslänge überhaupt aus 4 m Höhe lesen kann? Geschweige denn das Ausstellungsdatum?

Mit diesen und anderen Überlegungen und einem zünftigen Kanalfrühstück gelangten wir zum RVR nach Rendsburg. Ein wenig gewartet, um Diesel nachzubunkern. Die Rechnung ergab 1,6 Liter Verbrauch je Stunde.

Das erneute Anlegen in einer der wenigen freien Boxen gestaltete sich schwierig. Das Heck der an Bb liegenden Yacht ragte weit in die von uns angepeilte Box hinein und deckte den luvwärtigen Heckpfahl unerreichbar ab. Ohne Heckleinen legten wir uns zunächst gut abgefendert auf den an Stb liegenden Nachbarn und brachten die Vorleinen aus. Eine Schwedin war sofort zu Hilfe geeilt und brachte unsere luvwärtige Heckleine über das Nachbarschiff nach achtern und legte sie mit voller Körperstreckung auf den Pfahl. Den leewärtigen Pfahl erreichte Axel nach mehreren vergeblichen Wurfversuchen ebenfalls mit voller Körperstreckung und dem Bootshaken.

Zur Belohnung gab es Gulasch.

"Dasindwir" war zwischenzeitlich in Nyborg angekommen und wartete auf Kim, der das Want erneuern sollte. Gesellschaft und Zuspruch gab es von der Crew der "Compasrose.

von Cuxhaven zum gieselaukanal

Bei Kilometer 40, abbiegen in den Gieselaukanal
Bei Kilometer 40, abbiegen in den Gieselaukanal

Mittwoch, 3. Juli und Donnerstag, 4. Juli

Mit frischem Wind aus West ging es nur mit der Genua 3 und 4-6 kn Fahrt durchs Wasser und bis zu 9 kn über Grund recht fix bis Brunsbüttel. Die Alte Süd erwartete uns schon. Weißes Licht und das Schleusentor sperrangelweit geöffnet. Die Schleuse war mal wieder unorthodox gefüllt. Zu kleine Lücken gelassen bzw. nicht weit genug an den Vordermann aufgeschlossen. Blieb uns nur eine 3 Tage alte Jeanneau Sun Odyssey 410 "Jone" aus Oslo zum Längsseitgehen. Die nahm uns bereitwillig an, und der Skipper erzählte von ihrem dreitägigen Nonstop- Trip von Dunkerque, wo sie ihr Schiff gerade übernommen hatten. Eine halbe Stunde später war die Schleusenkammer mit 22 Schiffen gut gefüllt und wir konnten kurz darauf ausschleusen.

Chrissie hat sich fast schon traditionell Gulasch mit Kartoffeln und Nudeln gewünscht. Das Fleisch schlummerte schon im Kühlschrank und bei Kilometer 20 begann die Vorbereitung. Zwischen Kilometer 25 und 35 simmerte der Topf vor sich hin, ruhte dann ein wenig bis Kilometer 40, um 90 Minuten später vor der Gieselauschleuse verspeist zu werden.

"Dasindwir" hat es nicht so gut getroffen. Die Nacht über an Langelands Ostküste ankernd, ging es weiter Richtung Norden, bis das Steuerbordunterwant sich in einer Wende verabschiedete. Das Terminal im Mast war gebrochen. Zum Glück blieb der Mast oben und Peter behalf sich notdürftig mit den Hilfsbackstagen, um den Mast zu stabilisieren. Per Motor ging es nach Kerteminde, um dort einen Rigger zu finden. Den gibt es nur in Nyborg und Rod- Rigging sowieso nur in Kopenhagen. Also morgen wieder Richtung Süd nach Nyborg, um wenigstens ein Want aus Draht zu bekommen.

"Auf geht´s"

Die Kugelbake am 01. Juli 2019 bei West 7 und bestem Wetter
Die Kugelbake am 01. Juli 2019 bei West 7 und bestem Wetter

Die ersten drei Tage geht es gemeinsam mit "DASINDWIR" elbab bis Cuxhaven. 

In Glückstadt haben wir bei Wanda O. XL noch etwas abzuliefern: Das Dankeschön für das Halbmodell von Dasindwir.

Und als Belohnung dafür, dass Chrissie auf der Kreuz nach Happytown wie wild gekurbelt hat, kehren wir zur Stärkung im Kleinen Heinrich auf lecker Matjes ein.

Nun muss das Internet noch funzen – und alle treuen Leser sind „im Bilde“.

 

Sonnabend, den 29. Juli geht es mit der Mittagstide und leider bei Flaute und 30° C und mehr unter Maschine gemeinsam gen Cuxhaven.

Peter und Joshua hatten den lang gehegten Plan, über die Nordsee direkt nach Arendal oder Mandal in Norwegen zu segeln. Entschlossen legten sie am Sonntag Richtung Elbmündung ab. Wir blieben mit gemischten Gefühlen zurück; wollten wir doch ein paar Tage in Cuxhaven bleiben und von hier aus durch den Kanal an die Ostsee.

Die Wettervorhersage verhieß für die nächsten Tage nichts Gutes. Die ganze jütländische Nordseeküste über Blåvandshuk, Hvide Sande, Hanstholm und Thyborøn durchgehend immer mehr als 25 kn West- bis Nordwestwind und Böen bis 35 kn.

Wir verfolgten sie gespannt auf Marinetraffic. Nach einer guten Stunde drehten sie um. Wind 35 kn, Genua bis zu einem kleinen Dreieck weggerefft, konnten sie kaum noch Höhe halten und kamen zurück. Wir waren ehrlich erleichtert. "DASINDWIR" änderte ihren Plan. Nun geht es ab Montag über den NOK und den Großen Belt nach Norden.

Ein kleines Video kurz vor dem Umdrehen findet ihr hier

"WINDSPIEL" bleibt noch bis Mittwoch in Cuxhaven. Auch hier weht es seit Sonntag mit durchgehend 6 Bft. mit regelmäßigen Böen bis zu 8 Bft. Radfahren Richtung Duhnen will mit 8- 10 km/h gegen den Wind mühsam erstrampelt werden. Aber zurück! 28 km/h mit nur geringem Kraftaufwand.

Erste Fotos des Urlaubsanfangs gleich unterhalb.

Darunter auch Fotos von zwei Tieflöffelbaggern, die die Unterwasserdeponien am Rand der Medem- Reede für den Abraum und Schlick der Elbvertiefung vorbereiten. Es kommt einem so vor, als würden kleine Kinder an einem riesigen Strand buddeln, wenn man die Dimensionen der Elbe im Vergleich zu den Baggern sieht.