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TunØ

JWK "Möwe von Köhlfleet" auslaufend Korshavn
JWK "Möwe von Köhlfleet" auslaufend Korshavn

Montag, 16. Juli 2018

Was ist blöder als Nordwind... vor allem, wenn Nordost vorhergesagt ist? 

Genau: gar kein Wind.

Anker auf in Korshavn und an der grünen Tonne Segel gesetzt.

Die gestern abend spät eingetroffenen Jugendwanderkutter Möwe, T und Finke segelten voraus, hatten aber keinen Nordkurs im Sinn, sondern segelten nach Passieren von Fynshoved südlichen Kurs.

Der frische Wind nahm langsam ab – und kam aus Nordnordost. Nicht lange und wir machten nur noch zwei Knoten Fahrt. Nach einer Wende hingen wir mit schlagenden Segeln in der Flaute fest.

Maschine an und Richtung Südwestspitze Samsøs motort. Dann schien der Wind zurück zu sein, aber der erneute Segelversuch scheiterte schnell. Weiter Kurs Nord.

Nach einer weiteren Weile kam der frische Wind zurück und wir kreuzten mit drei Schlägen nordwärts. Und schließlich kam er doch, der vorhergesagte Nordost. Mit einem Schrick in den Schoten konnten wir Tunø anliegen und kamen mit gut 7 Knoten voran.

Wie immer war der Hafen auf Tunø gut gefüllt. Axel manövrierte uns rückwärts an ein außen liegendes Päckchen mit bereits 4 Schiffen, wo wir später noch eine kleine Maxi als Außenlieger bekamen. 

Vor vielen Jahren legten wir uns auf Tunø als zweites Schiff neben einen Bremer ins Päckchen. Kaum festgemacht wurden wir aufgefordert, eine Leine auf einen Pfahl auf der anderen Seite des Ganges zu legen, falls Wind käme. So ähnlich auch dieses Mal. Heute eine Bremerin im Päckchen hinter uns, Typ ehemalige Gruppenleiterin beim Deutschen Herold. Sie wies uns an, dass wir eine Leine auf einen Pfahl voraus zu legen hätten. Schließlich käme Nordwestwind. Sie hätten selbst eine Leine ausgebracht, aber das hätte sich ja nun erübrigt.

Selbstverständlich kamen wir der Bitte nach, und mit Hilfe eines Kielers legte dieser unsere Leine auf den empfohlenen Pfahl. Später kam uns, dass es den Bremern ja nichts nützte, dass wir eine lange Vorleine ausgebracht hatten, wenn deren Päckchen ins Schwoien geriete. Und dann sahen wir, dass unser Nebenmann bereits eine Leine auf einen näher stehenden Pfahl nach voraus ausgebracht hatte. Vorschriftsmäßig ;-) als 3. Schiff im Päckchen.

Wir amüsierten uns über Bremer Eigenarten, bevor ich Axel überreden konnte, einen Abstecher zum Badestrand zu machen. Ein Parcours über vier Schiffe, aber herrlich erfrischend unser Bad nach der Hitze im Hafen. Und herrlich auch, den Tag über bei der Wärme beim Segeln den frischen Wind zu spüren. Jedenfalls die meiste Zeit.

Nach dem Abendessen war es schon weit nach neun. Zeit für die Flaggenparade. Leider klemmte die dänische Gastlandsflagge, die „Margarethe“. Leichtes bis kräftiges Ziehen half nicht, sie hing im Umlenkbügel unter der Saling fest. Dann kam Axel und versuchte es mit ganz kräftigem Ziehen. Nun hing auch noch ein Zipfel von der Flagge fest und wollte nicht vor noch zurück. Die Flaggleine riss  zu allem Überfluss auch noch ab. 

So kam es zu meinem Debüt, im Bootsmannsstuhl den Mast hochgezogen zu werden. Das funktionierte gut, ich bekam ohne Einsatz des Messers die Flagge frei und konnte sie unter vielen Augen aus den umliegenden Cockpits und deren verhaltenem Applaus sichern. Nun war Axels Geschick gefragt, das Flaggenbändsel war gerissen und er musste mit Hilfe eines kleinen Splintes ein neues einziehen.

Halb zwölf war es schon wieder, als es in die Koje ging, mit dem Beschluss, morgen auf jeden Fall hierzubleiben.

 

Dienstag, 17. Juli 2018

Schon gegen 8 Uhr regte sich Leben in unserem Päckchen. Unser Nebenmann wollte ablegen, ebenso ein Motorboot im Päckchen vor uns. Das Beste in solchen Fällen: Ablegen. Unser Kieler Freund gab uns den Hinweis, im Gang mit dem neuen Betonschlengel sei eventuell eine Box frei geworden. Die wir prompt belegen konnten. Bis Mittag war kaum noch Bewegung im Hafen und Plätze in erster Reihe oder zwischen Pfählen waren alle belegt und die Päckchen wuchsen wie auf Helgoland.

Ich ließ Axel mit der Arbeit zurück: Wäsche wieder aufhängen, die reparierte Gastlandsflagge setzen, Fender mit Fenderbrett für den Heckpfahl ausbringen und Frühstück machen, während ich meinen kleinen Spaziergang zum Købmand genoss.

Ein Wort zum Wetter: Nordost, 1 Bft., relativ schwül, Vorhersage für heute Nacht: Leichtes Gewitterrisiko. 

Jetzt sitzen wir im Schatten des Persennings im Cockpit und sind einfach faul. Der Plan: So weitermachen und später baden gehen.

Die Blogseite ist auch aktualisiert und jetzt geht es tatsächlich zum Baden.

🏊‍♀️🏊‍♂️

Nachmittags ging es mit einem Sonnenbad und einem Landgang, wie an einem Urlaubstag eben, weiter. Abends riecht die Luft im Hafen ungewöhnlich nach feuchtem trockenen Gras, weil die Wiesen drumherum alle von der Sonne verbrannt sind.

Ein Espresso vor dem Gang in die Koje und dabei die Bilder schnell noch hochladen.

Wochenend und Sonnenschein

Sonntag vor Anker in Korshavn
Sonntag vor Anker in Korshavn

Sonnabend, 14. Juli 2018

Grau in Grau der Morgen. Es ist kühl im Vergleich zu gestern und den letzten Tagen. Ein seltener Fall von langen Hosen und Jacke. Frischer Südwestwind bringt uns nordwärts. Zwischenzeitlich kommt er von Westen. Wir segeln auf die Storebeltsbro zu und wissen genau, dass wir unterdurch passen.

Sicherheitshalber geht beim Unterqueren der Brücke die Maschine mit an und der bange Blick nach oben. Natürlich hat es gepasst. 

Entspannt segelten wir hoch am Wind, um uns die aufgegebene Höhe zurückzuerobern. Der Blick voraus in einen blauen Himmel, hinter uns alles noch grau in grau. Kerteminde ist unser Ziel. Gewöhnlich müssen wir in die Bucht immer kreuzen. Dieses Mal   brauchten wir 7 Kreuzschläge bis vor den Hafen, während viele an uns vorbei motorten und uns den letzten Liegeplatz wegnahmen? Aber prächtiges Wetter und ein schöner, frischer Segelwind belohnten uns für das Durchhalten.

Und einen mehr als einen letzten Liegeplatz fanden wir auch.

Der Speiseplan war festgelegt: Zuerst Einkaufen, möglichst frische Pfifferlinge. Unsere Steaks in der Kühlung sollten zu Gulasch verarbeitet werden.

So geschah es. Axel wechselte virtuos die Töpfe vom Warmhaltekissen und wieder zurück auf den Herd. War lecker, aber nach allem sank er völlig geschafft auf die Koje. Das hätte er übrigens auch gerne zu Hause, nach dem Essen gar nicht erst aufstehen - einfach Umsinken. So nebenbei hörten wir, dass Belgien im Spiel um Platz 3 England besiegt hat.

Sonntag, 15. Juli 2018

Westwind bzw. West-Nordwest mit 3 Bft später rückdrehend. Das hieß raumschots aus der Kerteminde Bucht und machte Hoffnung Sejerø zu erreichen. Um uns alle Alternativen offen zu lassen, wollten wir zwischen Fünen und Romsø vorbei. 7 Kreuzschläge waren nötig, um die Untiefentonne Romsø Vestrev achteraus verschwinden zu sehen. Chrissie war schwer genervt ob der Wenderei bei Gegenstrom.

So bleibt für die ersten zwei Wochen festzuhalten, wenn kein Nordwind vorhergesagt ist, ziemlich sicher mit Nordwind zu rechnen ist. Insbesondere, wenn wir uns ein nördlich liegendes Ziel aussuchen.

Später passte für eine halbe Stunde sogar die Windrichtung für Sejerø, der Wind fiel aber in sich zusammen und kam bis spät abends auch nicht mehr zurück. Wir nahmen die Segel weg und motorten nach Korshavn. 

Ein erfrischendes erstes Urlaubsbad vor Anker krönte diesen Tag.

Frankreich ist Fußballweltmeister. Hatte auch was, die Radioliveübertragung im dänischen Radio.

 

Nordwind

Eine ruhige Nacht vor Anker. Herrliches Licht, herrliche Ruhe. Nur drei Austernfischer unterhalten sich im Überflug, ein Reiher lauert am Ufer nach Beute und irgendwo an Land kräht ein spät wach werdender Hahn. Ein gemütliches Frühstück im Cockpit unter wolkenlosem Himmel. 

Nach der Backschaft geht es Ankerauf. Axel schrubbt den Schmodder von Kette und Anker, den ich per Knopfdruck aufhole. Das Wohin durfte ich entscheiden, und das war nicht Svendborg. Also links heraus und Richtung Langelands Belt. Trotz des überwiegend vorhergesagten Nordwinds.

Raumschots ging es Richtung Untiefentonne Thurø Rev. Halse und wieder raumschots Richtung Lundeborg. Ein herrlicher kleiner Hafen. Zwar keine lange Strecke, aber nach Nyborg lockte uns nichts. 

Gegen 1300 passieren wir den Leuchtturm Elsehoved. Der Wind, bis dahin bei knapp 5 Bft., fällt völlig in sich zusammen. Eine halbe Stunde hangeln wir uns von Windhauch zu Windhauch, bis er schließlich aus Nord wieder Luft holt, was uns zwei Kreuzschläge abverlangt. Wir finden im gut gefüllten Hafen einen Platz außen an einer Box und können am Kopf des Steges problemlos an Land. Es ist erst halb drei, als wir festliegen und uns mit dem Sonnenpersenning Schatten verschaffen. 

Der Landgang führte uns in Jensen´s Fiskeri -og Vin, die vor allem ein Restaurant betreiben. Ein schöner Schattenplatz lud zu einem kühlen Getränk und später zu Krabben zum Selbstpulen und einer Portion Schollenfilet mit Pommes frites. 

Währenddessen hat der Wind auf West gedreht. Auch für morgen ist Nordwind angesagt. Mal sehen, was Rasmus daraus macht.

 

@Cathrin: Die Zitronen- Ingwer Limonade war nicht selbstgemacht, aber ich versuche mich mal dran. In der Hafenheimat kam sie von Proviant Berlin. In Hamburg eventuell zu kaufen z.B. bei: Getränkemarkt Glashütte, Glashüttenstr. 85 im Karoviertel

Freitag, 13. Juli 2018

Lazy Day und Ø- Rundt

Vor Anker im Thurø Bund
Vor Anker im Thurø Bund

Das Datum, wie von einem lieben Leser gewünscht, Mittwoch, der 11. Juli 2018

Ungeplant, weil erst um halb elf wach geworden. So kamen wir zum Shoppen, einem kleinen Stadtbummel und zu einer Einkehr im Gårdhavet des Hotels Faaborg zu einem kühlen Getränk. Auf der Flasche mit dem Rhabarbersaft war der Hinweis zu lesen, dass in einem „Rhabarberkvartier“ früher die sozial schwache Bevölkerung lebte, und in den Gärten der kleinen und heruntergekommenen Häuser überall Rhabarber angebaut wurde. 

Einen kleinen Abstecher zu Brugsen, um unser Abendessen zu besorgen. Kartoffeln mit Schnittlauchcrème fraîche und einem Salat.

Den Abend beschlossen wir mit Telekoms gepriesener 24-Stunden-Flatrate zur Fußball-WM, allerdings galt die nur deutschland- nicht dänemarkweit. So ging das Fußballgucken zu Lasten unserer monatlichen 1GB Internet-Datenmenge. Die war mit der Verlängerung auch fast aufgebraucht.

Und dann schafft es England nicht ins Finale...

Am Donnerstag ging es wieder ziellos weiter. Ins Auge gefasst war Falsled in der Helnæs Bucht. Das sollte mit dem angekündigten Nordwind gut zu erreichen sein. Er drehte allerdings auf Nordwest, was uns zu einer Kursänderung Richtung Ærøskøbing zwang ;-), weil wir nicht kreuzen wollten. Bei angenehmsten Temperaturen vergingen die 10 Meilen raumschots wie im Fluge. Die Vorstellung, schon gegen 14 Uhr anzukommen, passte nicht zu unserer Stimmung. Kurswechsel um 90° nach Nord. Das gerade vor zwei Tagen befahrene Hœjestene Løb rief wieder nach uns. Außerdem war die Luft mit halbem Wind deutlich angenehmer. Den Svendborgsund erkreuzten wir uns bis Ilholm mit 5 Schlägen, um bei Gegenwind die Segel zu streichen und unter der Brücke durchzumotoren. Im Thurø Bund vor Anker liegen, das gefiel uns, und so geschah es.

Lystsejlads

Faaborg
Faaborg

Ist Dänisch und heißt phonetisch übersetzt so etwas wie die Lust am Segeln. Im Gegensatz zu früher, als Segeln zum Broterwerb für Fischer oder für den Warentransport notwendig war, ist Lystsejlads das Gegenteil „Lustsegeln“ wörtlich übersetzt. Für uns ist Lystsejlads auch, wenn man nicht das Wohin benennen muss. Egal ob als großes Ziel einer Sommerreise oder als Tagesziel. So antworteten wir heute unserem Nachbarn nach dem Wohin: wissen wir noch nicht. Wir hatten Optionen, aber wollten mit Lust vor allem segeln.

Ablegen dann um kurz vor elf. Am brüderlich geteilten Heckpfahl liegt nur noch unser kleiner Außenlieger.

Nach Verlassen des Hafens planen wir Svendborg als Ziel. Damit verbunden die Frage um Taasinge links herum oder rechts herum? Wir entscheiden uns für gegen den Uhrzeigersinn. Auf halber Strecke stellen wir fest, dass wir im Rudkøbing Løb doch mehr als hoch an den Wind müssten. Also beschließen wir, die Rinne an Birkholm vorbei mit geändertem Ziel Faaborg zu nehmen. Flauer Wind und nur langsames Vorankommen vor dem Wind. Zunächst wollten wir südlich von Drejø segeln. Aber kaum Wind von achtern, das ist wenig verlockend. Also wieder Svendborg als Ziel und mit halbem Wind durch das Højestene Løb segeln. Schon vor der ersten roten Tonne dreht der Wind vorlicher, also so hoch ran wie möglich und an den roten Tonnen entlang hangeln. Er legte noch ein paar Knoten drauf und wir waren trotz hin und wieder Höhe kneifen fix unterwegs.

Im Anblick der entgegenkommenden Fähre machten wir einen kurzen Kreuzschlag, es half nicht, wir mussten diese doch auf der falschen Seite passieren. Jede rote Tonne erweckte den Eindruck, auf sie abfallen zu können. Aber der Wind narrte uns ein ums andere Mal und wir hatten unsere liebe Mühe, im Fahrwasser zu bleiben.

Kurz vor Verlassen der Rinne legte der Wind kräftig zu, sodass wir unser Ziel, Troense oder den Thurø Bund wieder verwarfen. Richtung Faaborg ging es nun wieder, wieder vor dem Wind, der kräftig schob. Wir kreuzten vor dem Wind, damit die Genua stand und halsten zwei Mal. Gegen Ende an Bjørnø entlang bis zur ersten grünen Tonne der engen Durchfahrt nach Faaborg. Und wieder hoch am Wind durch die Enge. Ursprünglich wollten wir in der Bucht ankern, allerdings nicht optimal bei Ostwind. So entschieden wir, in den Yachthafen zu motoren und hatten eine große Auswahl an freien Liegeplätzen. Axel entschied sich für einen Platz innerhalb des äußeren Stegs, sodass wir nicht über den Bugkorb klettern brauchen.

Schönes Segeln heute- Lystsejlads eben.

 

Später bummelten wir noch in die Stadt. Seit 19 Uhr soll es regnen, aber der schwarzgraue Himmel hat sich erst einmal verzogen. Gegen 22:00 Uhr fängt es an zu dröppeln. Windfinder sagt, das geht heute Nacht wieder vorbei.

Ebenso sagt er für morgen Nordostwind vorher. Das spricht für den Kleinen Belt. Mal schauen, was wir daraus machen.

Ich bring dich um die Ecke zum Autobus

Fahrräder in allen Variationen- hier als verträumter Werbeträger
Fahrräder in allen Variationen- hier als verträumter Werbeträger

dort werd´ich dich berauben um einen Kuss, vielleicht auch um zwei, vielleicht auch um drei. Ich bring dich..... sangen Aprillfrisch in den 80ern. Wir fahren heute Autobus.

 

Die Wettervorhersage bescherte uns nämlich einen Hafentag in Marstal. Die durchgängigen guten 5 Bft. aus Nordwest wurden über den Tag um Böen bis knapp 7 Bft. ergänzt. Auch unsere Nachbarn blieben im Hafen. Einträchtig teilten wir uns zu fünft unseren Heckpfahl, spät am gestrigen Abend hatten wir noch eine vierköpfige Familie mit einem 26- Fuß-Schiff auf die Seite bekommen.

Wie ich bereits ahnte, hat der Bäcker montags geschlossen. So konnte ich auf meinem kleinen Morgenspaziergang durch die Gågåde vom Super Brugsen neben Brötchen auch leckere Leberpastete mitbringen,.

Zurück an Bord war der Frühstückstisch gedeckt, der Himmel bedeckt und der fröhlich pfeifende Wind teilte mit: Heute werden es keine 20 Grad.

Als wir bemerkten, dass bei unseren Nachbarn alles verrammelt war und wir nicht am vorhergesagten Ablegemanöver beteiligt wären, spazierten wir ins Zentrum, mit der Option, mit einem der kostenlosen Busse nach Ærøskøbing zum Eisessen zu fahren.

Schon vor zwei Jahren wurde vom Seglervolk bei Starkwind gerne vom Busfahren Gebrauch gemacht. Also war der Bus voll, und ein zweiter fuhr zur Entlastung hinter uns her.

Unsere erste Aktivität bescherte uns 2 leckere Kugler Is. Damit flanierten wir zum Stadthafen.

Während wir dort Schiffe schauten, kam die Kreuzeryacht „Ella“ herein. Auch sie fand noch einen Liegeplatz, auch wenn die von den großen Schiffen bevorzugte Pier mit zwei Charterbooten und einer gerade nicht ausreichenden Lücke in der Mitte belegt war.

Wir spazierten weiter vom Hafen aus durch den Ort. Inzwischen hatte sich die Sonne hervorgewagt.

Zurück fuhren wir in einem noch volleren Bus, auch hier folgte ein zweiter gleich hinterher, was wir leider nicht mitbekommen hatten. So saß Axel auf der Lümmelbank zwischen fröhlichen dänischen Pfadfindern, während ich fast die ganze Strecke stehen musste.

Wie gehofft, lag nach dem Aussteigen der Super Brugsen gleich um die Ecke. Spontan entschieden wir uns für Blumenkohl und Bratwürste, die wir später mit Pellkartoffeln und Butter verspeisten. Leider waren die Bratwürste keine Offenbarung. -

Morgen soll es weiter gehen. Ostwind, 4 – 5 Bft. Axel gibt schon Kurse ein, mal sehen, wohin es uns verschlägt.

Schon 9 Uhr...

Leuchtturm Vejsnæs Nakke- Südostspitze von Ærø
Leuchtturm Vejsnæs Nakke- Südostspitze von Ærø

Nicht schlimm. Schließlich sind wir im Urlaubsmodus. 

Axel hatte gestern die Idee, auf der Schlei zu bleiben und zu ankern. Morgen von Lindaunis aus eine kleine Fahrradtour zu unternehmen und den Hofladen zu Kaffee und Kuchen zu besuchen.

Gegen halb zwölf war klar, dass wir die Brücke in Kappeln um viertel vor 12 nicht schaffen würden – nehmen wir also die nächste. –

Die ganze Zeit hoffte ich, dass Axel fragen würde, ob wir mir zuliebe vielleicht doch nach Marstal segeln sollten. Dann fragte ich, ob wir für die kurze Schleitour Segel setzen wollen? 

Schließlich kam sie doch, die Frage. Hurra! Schnell machte ich alles segelfertig und wir legten ab. Abbiegen nach links, Richtung Schleimünde.

Das Ziel Marstal peilt in 55°, bei Nordwestwind mit einem Schrick in den Schoten. Vor Vejsnæs Nakke pausierte der Wind und drehte auf West, was bei der kurzen anlaufenden Welle die Segel unangenehm schlagen ließ. Südlich von Ærø unter Land wurde die See wieder ruhig und der Wind wieder beständig. 

Raumschots liefen wir auf die Rinne bei Marstal zu und bogen ab, folgten dem Fahrwasser hoch am Wind und rauschten bis kurz vor den Yachthafen. Segel weg und Liegeplatz suchen. Wie befürchtet war Marstal gut gefüllt, keine freien Boxen mehr, sodass wir neben unserem letztjährigen Nachbarn in Wedel am Kopf anlegten und uns nun mit 4 anderen Schiffen einen Heckpfahl teilen.

Am Abend brist der Wind bereits auf 5 Bft. auf. So soll es morgen bleiben, wir vielleicht auch.

2 Lay dayS in grauhöft

Freitag

Den ganzen Tag und auch am Abend blies ein kräftiger, böiger Wind, selbst hier im geschützten Hafen an der Schlei zerrten die Windböen an den Baumkronen. Die Sonne schien von achtern aus blauem wolkenlosen Himmel ins Cockpit, nach vorne windgeschützt konnten wir erstmalig in diesem Urlaub im Cockpit frühstücken, immer auf der Suche nach etwas Schatten für die Butter. 

Nach dem Frühstück, so gegen zehn, machten wir uns daran, das Layout für diese Seite zu ändern. Alles im Hotspot von Henningsen & Steckmest. Was zu Hause mit einem Klick und durchrauschenden Balken aktiviert oder hochgeladen wird, hier bewegt sich lange nichts. Oder das Zugucken, wie der Balken endlich durchgelaufen ist, endet mit dem freundlichen Hinweis, „hoppla“ – konnte nicht geladen werden... 

Und dann die Webseite plus der ganzen Unterseiten übernehmen... Immerhin, noch ein paar Fotos hochgeladen, war gegen zwei Uhr mittags alles umgebaut und zur Zufriedenheit erledigt.

Im Anschluss schafften wir es, uns eine gute Stunde im Cockpit dem Nichtstun hinzugeben, bevor wir uns zu Fuß nach Kappeln aufmachten, um das geplante Abendessen zu besorgen. Unser Abendbrot sollte aus einem Räucheraal der Räucherei Föh mit Schwarzbrot und Rührei bestehen. 

Auf eine kleine Erfrischung – Axel bekam zwei Kugeln Eis, Zitrone und Drachenfrucht in einer Waffel. Kaum aufgeschleckt, kehrten wir in der Hafenheimat ein. Ich durfte das Angebot an spanischem Weißwein verkosten, für Axel gab es eine Zitronen-Ingwer-Schorle. Zurück im Hafen lief in der Winterlagerhalle die letzte Viertelstunde des WM Viertelfinales Frankreich : Uruguay. Frankreich gewann 2:0. Ein Seglerpärchen schaute bereits zu, als wir uns für den Rest des Spiels dazusetzten.

Anders nach dem Abendbrot, als wir zwanzig Minuten nach Anpfiff erneut in die Halle kamen. Alle Plätze gut besetzt, als erstes die Stühle mit Lehne, aber auch die Partybänke waren wohl gefüllt. Die Stimmung war gut, denn als wir dazukamen, führte Belgien gegen Brasilien bereits mit 1:0. 

Am Ende gewann Belgien 2:1, obwohl Brasilien mit zunehmender Dauer des Spiels dem Ausgleich sehr nahe war.

Danke an Henningsen & Steckmest für den tollen Service: Public Viewing plus gekühltes Bier.

Zurück an Bord ist es wieder kühl, das Cockpit liegt im Schatten, und ich sitze unter Deck an unserem Blog. Als mein Blick durchs Vorluk fällt, sind die Wolken feuerrot.

Ein kurzer Moment, dann sind die Wolken wieder weiß. Kurz darauf dämmert es und wird schnell dunkel. Ein schöner Hafentag, dem morgen ein weiterer folgen wird.

 

Sonnabend

Der Wind gibt uns recht. Es bläst auch heute böig aus WNW. 

Wie gestern entdeckt, gibt es werktags von 9 – 12 Uhr bei der Fischereigenossenschaft Dorsch und anderen Fisch. Für die heutige Radtour holten wir nach dem Frühstück die Fahrräder aus der Hundekoje. Als ersten Trip besorgt Axel den Fisch, 452 gr Dorschfilet für 5,50 €, danach noch ein Abendblatt und aus dem Bioladen Joghurt. In Kappeln traf Axel Peter und Brigitte, die vielleicht nachher vorbeikommen wollen.

Gegen eins winken sie uns schon von Weitem zu. Wir setzten uns ins sonnige Cockpit zu einem kühlen Getränk und einem netten Plausch und verabredeten, am Abend noch einen Wein zu uns zu nehmen. Gerne wieder bei uns an Bord.

Danach startet unsere kleine Radtour. An Kappeln vorbei führt uns der idyllische Radweg nach Arnis. Wir wollen sehen, was aus der Schleiperle geworden ist.

Sie hat sich gewandelt, ist gut besucht, nett eingerichtet und bot uns Platz draußen direkt am Wasser. Selbstbedienung ist angesagt, Axel hätte gerne ein Stück Stachelbeerbaisertorte. Ich entscheide mich für ein Stück Kirsch-Joghurt-Kuchen und einen Cappuccino. Die Kuchen sind unglaublich lecker, dazu der unverstellte Blick auf die Schlei, das herrliche Wetter und von Zeit zu Zeit vorbeiziehende Segelboote. 

Erneut genossen wir die Tour zurück entlang der Schlei und kamen rechtzeitig, um noch den größten Teil des Spiels Schweden gegen England in der Winterlagerhalle zu gucken. Unterhaltsam neben dem Spiel sind auch die Kommentare einiger Zuschauer. Unterschiedliche Mundarten, unterschiedliche Kenntnisgrade von Fußball, unterschiedliche Temperamente. Während gestern pfälzisch gejuchzt wurde, herrschte heute die Mundart Glabottki* vor. Dazu immer der Geheimschluck aus der Flasche aus dem Jutebeutel, der wie Wasser aussah.

Während ich nach dem Spiel per Fahrrad auf der Jagd nach Rhabarbersaft und Weißwein den Supermarkt ansteuerte, bereitete Axel das Abendessen zu: Dorschfilet mit Zitronen-Sahnesauce, Dill und Nudeln. Penny hatte weder Rhabarbersaft noch einen überzeugenden Weißwein im Angebot. Da war es gut, dass Peter und Brigitte angekündigt hatten, Weißwein mitzubringen.

Nach einem netten Abend verabschiedeten sich die beiden, während oben in der Winterlagerhalle auch nach 22 Uhr noch Fußball geguckt wurde. Verlängerung und Elfmeterschießen: Der Gegner Englands im Halbfinale heißt Kroatien. Russland ist raus.

Wir lassen nun den Abend gemütlich ausklingen und entscheiden morgen, wohin unsere Reise weitergeht. Wetterprognose: Sonntag wenig Wind, dann zwei Tage mehr Wind – und immer nördlich. Alternative: Statt Marstal Ankern auf der Schlei?

*Gladbeck, Bottrop und Kirchhellen

Endlich Segeln

Rendsburg – Grauhöft

Wettervorhersage: keine Sonne, weitgehend trocken, Wind WNW 5.

Die bestellten Windspiel-Brötchen hat sich jemand anderer geschnappt, zum Glück gab es noch welche. Startklar um viertel nach zehn, nahmen wir den restlichen Teil des Kanals in Angriff. Genauso ereignislos wie am Vortag, Fähren aufschreiben und in Holtenau den Kassenautomaten für die Kanalgebühren bedienen. Ging reibungslos, das Anlegen am Warte- bzw. Bezahlschlengel Leinen fest, Chrissie springt an Land und wieder retour. Kurz nach dem Ablegen konnten wir schon in die große Schleuse einfahren. Bereits vor Erreichen der Schleuse war alles segelfertig, sodass wir nach dem Ausschleusen gleich die Segel setzen konnten. Die Frage nach dem Wohin entschieden wir vergleichsweise zügig. Die Windrichtung würde die 330° innen vorbei am Sperrgebiet in Richtung Schlei zulassen ohne kreuzen zu müssen.

Entspannt segelten wir halbwinds aus der Kieler Förde und steuerten nach Passieren von Bülk hoch am Wind. Etwas ruppig die See, Wind bei guten 5 Bft., ganz schön kühl, da waren wir froh, als wir Höhe Damp abfallen konnten. Für einen Moment kam in Schleimünde die Sonne durch, verschwand aber schnell wieder. Unter Maschine ließen wir Maasholm an Steuerbord. Grauhöft war unser Ziel. Wärmer wurde es nicht, mit Wind von vorn. Bei Henningsen & Steckmest erwischten wir den letzten freien Liegeplatz gleich neben dem Kran. Zum Aufwärmen ein Espresso, dann noch ein zweiter, half aber nicht. Es bleibt kühl. Das muss besser werden.

Los geht´s

Wenn sich niemand findet- langsam dem Verfall preisgegeben - der Kleine Kohn
Wenn sich niemand findet- langsam dem Verfall preisgegeben - der Kleine Kohn

Mit unserem neuen Anker ergeben sich nun ungeahnte Möglichkeiten, der manchmal schwierigen Platzwahl in Yachthäfen zu entgehen. Obendrein steigt die Unabhängigkeit, wenn ein Transportmittel von Bord an Land respektive in den nächstgelegenen Hafen zur Verfügung steht. Das fiel uns am Freitag ein und ließ uns nicht mehr los. Nach reiflicher Überlegung und eingehender Recherche kam am Montag ein neues Schlauchboot nebst 2,5-PS-Außenborder an Bord. Alle sind gespannt, was den zukünftigen Nutzungsgrad angeht. Prognostizierter Einsatz laut Peter: Zweimal. - Wir werden sehen....

Ablegen am Dienstag haben wir verworfen, womit erstmalig ein ganz entspanntes Packen der letzten Sachen über die Bühne ging. Schlauchboot und Motor wanderten schon Montagabend an Bord, Fahrräder, frische Lebensmittel und die letzten frisch gewaschenen Klamotten folgten am Dienstag. Abends schnell das Auto zurück in die Garage, Essen bei Asia Hub am Bahnhof und per Taxi wieder zurück nach Wedel.

Mittwoch auslaufen bei HW um kurz nach neun Uhr morgens. Bestes Wetter, Sonnenschein, aber leider kein Wind. Per Maschine erreichten wir gegen halb ein Uhr mittags Brunsbüttel und verpassten eine Schleusung nur knapp. Wir sahen noch das weiße Licht ausgehen, auch schnelles Anfunken der Schleuse half nicht. Wartezeit eine knappe Stunde. 

Ohne erwähnenswerte Ereignisse nahmen wir die 65 Kilometer nach Rendsburg in Angriff. Zum Zeitvertreib notierten wir alle Fähren, die wir passierten. Auch das obligatorische Brücken-Selfie in Rendsburg sorgte für etwas Abwechslung. Dieses Mal wollte Axel die Aufnahme machen: Webcam im Internet ansteuern, Warten bis Windspiel ins Bild kommt und ein Bildschirmfoto durch gleichzeitiges Drücken der Aus- und Menütaste. -

Ankunft Rendsburg kurz vor 20 Uhr. Tanken und Liegeplatz ansteuern. Hunger stillen mit Gemüse plus Entrecote. Vorsatz: Schlafen bis zum Wachwerden.

Vor dem Start

Dank Einbau einer elektrischen Ankerwinde (Bootsbau mobil Andreas Klier) werden wir nicht nur in diesem Urlaub wunderbar ankern können. Aufräumen und neue Gardinen anbringen ist erledigt. Getränke sind gebunkert und eingestaut. Die letzten Utensilien sollen spätestens am Wochenende an Bord gebracht werden. Womöglich schaffen wir mal einen entspannten Start in den Urlaub?!