Jahre später im Prüfungsgewässer vor Blankenese
Jahre später im Prüfungsgewässer vor Blankenese

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Peilung

Praktische Prüfung auf "DASINDWIR"

 

Prüfungen sind für jeden ein ganz spezielles Ereignis. Prüfungen, wo es drauf ankommt, für Schule und Beruf; und die, die man freiwillig macht, z. B. die Führerscheinprüfung. Die für’s Auto gehört zum guten Ton. Aber eine BR-Schein-Prüfung, wenn man den Sportbootschein schon in der Tasche hat? Kurz vor dem Reiß-aus die Einsicht, nun bin ich ja schon mal hier. 

Prüflinge stehen mit herum, warten auf ihren Auftritt an Pinne und Tauwerk, an Kompaß und Zirkel. Zunächst geschieht wenig, dann erscheint ein jovialer, rotgesichtiger, rundlicher Herr und überprüft zunächst einmal das Wissen über die Dauer bei Überweisungsaufträgen von Prüfungsgebühren. Nachdem auch der letzte Delinquent mit hochrotem Kopf den Prüfungsobulus in bar entrichtet hat, werden Prüfer und Prüflinge auf die einzelnen Boote verteilt. Nicht berücksichtigt wird, ob auf einem Boot zwei oder sieben Prüflinge ihr Können vorführen sollen, sowie daraus möglicherweise entstehende Zeitverschiebungen.

Auf unserem eigenen Boot waren wir zu viert, uns zugeteilt war ein recht freundlich dreinblickender junger Prüfer. Der eigentliche Skipper wurde kurzerhand unter Deck verbannt und die Prüfung nahm ihren Lauf. Ein Prüfungskriterium war offensichtlich: Der Prüfer stiftet Verwirrung und der Prüfling hat darauf angemessen zu reagieren. Unter Motor steuert der Prüfling das Boot hinter dem Anleger hervor und ist daraufhin zwangsläufig im Fahrwasser. Keine störenden Pötte in Sicht, also Kommando: Segel setzen. Hier greift die Taktik des Prüfers. Er bemerkt, im Fahrwasser sei es grundsätzlich nicht erlaubt, Segel zu setzen. Prüfling stutzt, läßt sich nicht beirren und das Kommando gilt. Segel sind fast hoch, als  sich ein blaues Wasserfahrzeug nähert. Der Prüfer gibt zu bedenken, daß Polizeifahrzeuge, womöglich im Einsatz, Wegerecht hätten. Bevor die Verwirrung endgültig um sich greift, entpuppt sich das blaue Fahrzeug beim Näherkommen als schlichtes blaues Motorboot.

Unter Segeln ein Stück elbab besinnt sich der Prüfer auf den Rest der Prüflinge und beginnt mit bohrenden Fragen nach langverschütteter Theorie. Nach einiger Zeit wurde an der Pinne gewechselt, jeder durfte die üblichen Segelmanöver durchführen. Nach Genehmigung durch den Skipper durfte die Frau des Skippers als einzige Nichtinhaberin eines A-Scheines das Anlegemanöver durchführen. Dies gelang trotz relativer Enge am Ponton zur Zufriedenheit, Verwirrung konnte der Prüfer am Bug stehend mit seinem hektischen Ausruf, es wären nur noch zwei Meter, nicht stiften; inzwischen war die Taktik bekannt.

Programmpunkt zwei war Knoten und Spleißen. Gedränge gab es nur bei der umfangreichen Spleißaufgabe. Segelgarn, Nadeln und der Segelhandschuh waren sehr gefragt und es entstanden einige zeitliche Längen.

Das Schönste sollte aber die Geschichte mit der Peilung werden. Bevor die Prüfung richtig ihren Lauf nahm, hatte schon der Oberprüfer seine Mitprüfer und einige Freiwillige zu einer kleinen Handreichung aufgefordert. Zwei große Kompasse wurden aus dem oberen Stockwerk heruntergebracht und auf Eisenschienen gestellt. Ein weiterer Kompaß stand auf einem Stück Eisen auf einer Mauer. Mit wissenden, wichtigen Mienen war diese Aktion vonstatten gegangen, nun waren wir als vorletzte Gruppe dran, das zu durchschauen.

Nachdem drei aus unserer Vierergruppe auf die Kompasse verteilt waren, blieb nur noch der Handpeilkompaß. Jedem wurde die Fotokopie eines Ausschnittes aus dem Elbeatlas übergeben. Ein Kugelschreiber war bald organisiert, der Standort für die Peilung festgelegt. Drei zu peilende Objekte wurden genannt. Bevor Unklarheit entstehen könnte, ob das dritte zu peilende und in der Dämmerung nicht so leicht auszumachende Objekt auf dem Leitdamm oder ein Objekt etwas rechts davon war, gab es die lapidare Antwort, schließlich müsse ich doch wissen, was ich peilen wolle. Der Gedanke, daß ich dann auch festlege, was ich peile, kam mir erst, als er schon davonstapfte. 

Zurück im Prüfungsraum meine nächste, möglicherweise überflüssige Frage, ob jetzt anhand der Peilungen der Standort in die Karte einzutragen sei, erwiderte er mit der Gegenfrage, ob ich überhaupt wisse, was ich täte. In der Zwischenzeit kamen Prüflinge, die ihre ermittelte Magnetkompaßablenkung in die Prüfungsbogen eintragen wollten. Etwas hektisch wurden sie nach den Aufschriften auf den Kompassen gefragt. Ob vielleicht W. Plath draufstünde oder etwas anderes wußten die wenigsten, es genügte dann die Aussage ob es der ganz linke, der mittlere oder der ganz rechte Kompaß sei. Als später einige aufgrund fehlerhafter Peilungen zu einer Wiederholung dieses Prüfungsteils in vierzehn Tagen gebeten und nach Hause geschickt wurden, entstand diesmal unter den Prüfern Verwirrung, welcher Prüfer denn nun noch einmal, um Schummeleien zu verhindern, die Kompasse vertauscht hatte.

Nach einigen Nachfragen wurde uns vieren dann mitgeteilt, wer bestanden und wer nicht bestanden hätte. Zwei von uns hatten leider ein falsches Objekt gepeilt. Habe ich also bestanden, weil ich mich traute, nachzufragen? Die Verabschiedung von den Prüfern blieb einseitig. Zu sehr waren sie vertieft in ihre organisatorischen Unzulänglichkeiten.

 

csy

 

 

Wolken über Jütlands Ostküste bei Hov- 14. Juli 2012
Wolken über Jütlands Ostküste bei Hov- 14. Juli 2012

2012 - Der atlantische Sommer

 

Von diesem Sommer wird ein Geräusch in Erinnerung bleiben, das Ritschratsch vom Auf und Zu der Kuchenbude. Hafentage wegen Starkwind reihten sich aneinander, darüber hinaus überwiegend Regentage, und zum Ritschratsch der Reißverschlüsse gesellte sich das Geräusch von pladderndem Regen. Dass die Fenster etwas undicht sind, das Wasser am Mast herunterläuft, wir wurden täglich daran erinnert. Kurze Regenpausen wurden genutzt, um einzukaufen, Geld zu holen, Hafengeld zu bezahlen. 

Die wenigen Segeltage fanden ohne Ausnahme in Ölzeug statt, wenn nicht wegen Regenschauern und Gewittern, dann zumindest bei viel Wind wegen des überkommenden Wassers. Die wenigen, angenehmeren Touren, die im Zielhafen gerne im Cockpit sitzend gemütlich ihren Ausklang nehmen sollten, endeten in hektischem Segelpersenning und Kuchenbudenaufbau, da die nächste Regenfront ihre Vorboten schickte.

Wettervorhersagen versprachen im voraus Regen, Wind von vorne und Temperaturen von maximal 18 Grad. Lediglich Gesicht und Hände braun. Der Schrank an Bord ausgestattet mit Kurzämligem, das wohl ungetragen wieder in den häuslichen Kleiderschrank wandern wird. 

Grillen, kurze Hosen, Sonnencreme, all das lässt sich auf einen einzigen Tag reduzieren. Frühstück im Cockpit unter der Kuchenbude: Wenige Male, Frühstück im Cockpit ohne Kuchenbude: Fehlanzeige.

Duschgänge wurden darauf abgestellt, ob die nächste schwarze Wolke uns womöglich schon auf dem Weg zum Duschhaus erwischt.

Doch kaum ist dies geschrieben, beginnt Ende Juli die letzte Urlaubswoche. Plötzlich scheint die Sonne, zweimal wird Baden möglich. In der Rückschau einmal An- und am nächsten Tag Abbaden. Schleimünde erleben wir noch einmal in herrlichstem Sonnenschein, Strande ebenso. Im Kanal statt Kuchenbude Sonnenschirm.Rückblickend war es ein wunderbarer Urlaub. 

csy


 

Der perfekte Knoten
Der perfekte Knoten.pdf
Adobe Acrobat Dokument 163.4 KB
Strom und kein Ende- die kleine Bordbatterie
Strom und kein Ende- Axel Sylvester.pdf
Adobe Acrobat Dokument 39.2 KB
Die Elbe im Oktober
Die Elbe im Oktober- Christa Sylvester.p
Adobe Acrobat Dokument 57.2 KB
Mittwochsregatta, 18 Uhr 30 Hinterm Sand
Mittwochsregatta,18Uhr30, Hinterm Sand.p
Adobe Acrobat Dokument 54.6 KB
Affseiln 2012 Platt- und Hochdütsch
Affseiln 2012-Axel Sylvester.pdf
Adobe Acrobat Dokument 30.9 KB
Eine nicht ganz ernstzunehmende Typologie norddeutschen Slippverhaltens
Eine nicht ganz ernstzunehmende Typologi
Adobe Acrobat Dokument 67.6 KB
Kommentare: 7
  • #7

    Reiner (Donnerstag, 04 August 2016 13:57)

    Gar nicht einfach, so ein Eintrag per Billighandy. Sitze gerade an der Mecklenburger Küste und genieße eure Erzählungen und die schönen Bilder. Falls ihr irgendwann einmal Rerik anläuft, gebt Bescheid! Wir bleiben nämlich Landräten. Gruß Bine und Reiner Büchtmann

  • #6

    Tajuk (Dienstag, 26 Juli 2016 21:17)

    Was für ein toller Blog. Da wissen wir ja immer, wo ihr euch rumtreibt. Letztes Wochenende waren wir in Hörup mit Marcus und Inga. War prima und macht Geschmack auf mehr. Noch 10 Tage und dann geht's auch für uns los in den Urlaub! Wir freuen uns auf Avernakö, mal sehen welcher Hafen das wohl wird.
    Wir grüßen euch.
    Die Tajuk Crew

  • #5

    Lu Eickmann (Dienstag, 28 Juli 2015 09:54)

    Moin, liebe Freunde,

    es ist wie ein bischen mitreisen mit Euch auf der DASINDWIR- und wir ducken uns auch bei Schietwetter nicht weg. Danke für die lesenswerten und mitnehmenden Reisebeschreibungen!
    Euch weiterhin Fair winds, allzeit eine Handbreit unter dem Kiel und erlebnisreiche Ferien. Herzliche Grüße vom Ammersee - Pfüads Euch
    Eure LuCa

  • #4

    Hans-Jörg Meyer (Sonntag, 19 Juli 2015 20:41)

    Moin Moin,
    meine Tochter hat mich auf Euren Blog aufmerksam gemacht nachdem ich ihr erzählte, dass wir ein Schwesterschiff wieder einmal und jetzt in Kappeln getroffen haben.Vorweg, Euer Blog ist super, einfach großartig !!!
    Also, unser Boot ist die Pampero aus Elsfleth. In 2014 haben wir uns in Holtenau getroffen. Leider fanden wir im RRV keinen Platz, sonst hätten wir sicher Kontakt aufgenommen. Das Boot liegt z.Zt in Düsternort, haben an den Schwager übergeben und sind seit gestern abend zu Hause. Der Schwager hat 14 Tage und sollte das Boot bis Bremerhaven bringen.Ich hoffe, dass wir uns mal treffen und austauschen können.
    Bis dahin Mast-und schotbruch!
    Herzliche Grüße von der SY PAMPERO

  • #3

    Silke Ke. (Sonntag, 19 Juli 2015 18:43)

    Hey, ihr Zwei! Tolle Geschichten; hat viel Spass gemacht, die ganze Chose war ja wie ein Buch! Ich grüsse euch herzlich aus dem heute feuchren, etwa 15 Grad warmen Hamburg! Am sonnabend, d. 26.7. fahren wir mit Hans Oestmanns "Adele" anl. Christines 60.Geburtstag mit 30 Gästen ab Blankenese bis Landungsbrücken, in die Speicherstadt, weiter in Richtung Bille bis??? Von Morgens 11 Uhr bis zum späten Nachmittag!. Anschliessend wird an Land in Christines Wohnung "ausgefeiert". Ich werde im August für etwa 3 oder 4 oder 5 Wochen nach Bad Kissingen zu einer Art Kur fahren, wo ich schon vor 7 Jahren einmal war: Viel Bewegung; gedrosseltes Essen! Ich bin sehr gespannt und freue mich auf alles was kommt! Für heute erst einmal tschüss, macht es weiterhin gut, liebe Chris und lieber Axel! Eure Silke

  • #2

    Thorsten Flasch (Freitag, 12 September 2014)

    Moin liebe Sylversters,
    klasse Bericht und Fotos, lese ich mir immer wieder durch !!, fühle mich dann wieder wie in unserem Taumurlaub auf der Ostsee
    Gruß von der Wanda O.

  • #1

    Joachim Michels (Mittwoch, 08 Mai 2013 22:03)

    Ja, DASINDWIR wird 35 Jahre alt, und zwar genau am 26. Mai haben wir das Boot zu Wasser gelassen und getauft. Von den 35 Jahren war es die ersten 15 in unserem Besitz. Bei Euch ist es nun fast 20 Jahre.
    Vor einem Jahr besuchte ich meinen Freund und Mitsegler Herbert (Fiete) Hirthe und bat ihn, mir sein Boot zu zeigen, das ich noch nicht kannte.
    "An diesem Steg liegt es," sagte er und wir gingen die Treppe hinunter. Aber da lag als erstes DASINDWIR im alten und neuen Glanz. Ich hätte es gern über den Atlantik mit genommen anstatt den Flieger zu benutzen mit all den Problemen auf den Flughäfen.
    Erstaunlich - oder auch nicht - Ich hätte kein quasi werftneues Boot erwartet.
    Herzlichen Glückwunsch

    Jochen

Gästebuch:

Mehr zu Hanseaten auf der privaten Webseite von Ingo Paulus. Mit Schiffsregister.

Kiekste:

www.hanseat-yacht-service.de